Klagen, Lizenzen, Vorwürfe und "geklauter" Code

14. August 2003, 16:00
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Heftiger Schlagabtausch zwischen Red Hat und SCO

Der Milliarden-Streit um mögliche Urheberrechte an Programmcodes aus dem freien Betriebssystem Linux geht weiter. Das US-Software-Unternehmen SCO Group veröffentlichte am Dienstag erstmals Lizenz-Preise für die Nutzung der Linux-Systeme 2.4 und 2.5. Nach Unternehmensangaben können Nutzer durch Erwerb dieser Lizenzen verhindern, von SCO wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt zu werden.

Noch in dieser Woche will SCO Linux-Kunden Details zu den Lizenzverträgen unterbreiten. Für die Einzelnutzung der Programme auf einem Desktop-PC verlangt SCO nach eigenen Angaben 199 US-Dollar (174 Euro), die Nutzung auf Servern kostet bis zu knapp 5000 Dollar.

Ansprüche nicht geklärt

Die Rechtmäßigkeit der Ansprüche an den umstrittenen Linux- Programm-Codes ist rechtlich weiterhin ungeklärt.

Vergangenen März hatte SCO den Computerriesen IBM auf eine Milliarde Dollar Schadenersatz verklagt. IBM wies bislang alle Vorwürfe zurück und sieht für die Klage wenig Aussicht auf Erfolg.

Wie die US-Bürgerrechtsbewegung

Der Linux-Distributor Red Hat hatte einen Tag zuvor Klage gegen SCO eingereicht. Red Hat unterstellt dem Unternehmen, unwahre Behauptungen aufzustellen und damit Vertreiber, Programmierer und Nutzer der Open-Source-Software Linux verunsichern zu wollen. Ergänzend rief Red Hat Chef Matthew Szulik auf der diesjährigen LinuxWorld auf, "enger zusammenzurücken" und wie die US-Bürgerrechtsbewegung in den 60iger Jahren für "Digital Rights" zu streiten. Er wünsche sich eine Zeit, in der man Code einsehen könne, ohne dafür verhaftet zu werden.

Red Hat verkaufe Linux-Distributionen, die illegal Code Unix enthalten

Am Donnerstag antwortete SCO. Darl McBride, seines Zeichens Chef von SCO, meinte, die Klage belege, das Linux-Entwickler entweder unfähig oder schlicht nicht Willens, den Code zu verschleiern." Red Hat verkaufe Linux-Distributionen, die illegal Code Unix enthalten.

Öl ins Feuer

SCO war unter dem Namen Caldera acht Jahre lang Anbieter eines Linux-Systems. Teile der umstrittenen Unix-Codes, die 1969 programmiert worden waren, hatte das Unternehmen 1995 gekauft und unter anderem an IBM lizenziert. Der überraschenden Klage gegen den Computer-Giganten IBM wurde in Branchenkreisen lange kaum Aussicht auf Erfolg zugesprochen.

Inzwischen hat jedoch Microsoft als erbitterter Gegner von Open-Source-Software die SCO- Technologie lizenziert und damit Öl ins Feuer des Streits gegossen. (APA/dpa/red)

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