IG Metall verlor binnen einem Monat rund 28.000 Mitglieder

8. August 2003, 16:01
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Gewerkschaft sieht keinen Konnex mit Führungsstreit

Frankfurt/Main - Die von dem wochenlangen Führungsstreit gebeutelte IG Metall hat von Juni auf Juli rund 28.000 Mitglieder verloren. Wie Gewerkschaftssprecherin Ingrid Gier am Mittwoch in Frankfurt am Main sagte, zählte die IG Metall am 31. Juli 2,556.468 Mitglieder. Am 30. Juni seien es noch 2,584.636 gewesen. Als Grund gab die Sprecherin die schlechte Konjunkturlage und die steigende Arbeitslosigkeit an. Der Führungsstreit könne wegen der Kündigungsfristen noch keine Auswirkung gehabt haben, sagte Gier.

Eine Kündigung sei nur bis sechs Wochen vor Quartalsende möglich; deshalb sei in den Zahlen niemand enthalten, der nach dem 15. Mai ausgetreten sei. Der umstrittene Streik um die 35-Stunden-Woche, der die Führungskrise ausgelöst hatte, begann am 1. Juni und war am 28. Juni für gescheitert erklärt worden.

Zweitgrößte deutsche Gewerkschaft

Der Trend zu weniger Mitgliedern finde sich zudem auch in anderen Quartalen, sagte Gier. So habe sich die Differenz von Juli zu Juni 2002 mit 24.500 Mitgliedern in einem ähnlich hohen Maße bewegt. Im Januar zählte die IG Metall noch rund 2,64 Mio. Mitglieder. Die IG Metall ist hinter der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di mit rund 2,7 Mio. Mitgliedern die zweitgrößte deutsche Gewerkschaft.

Die IG Metall Bayern wies darauf hin, dass in dem Bundesland seit Jahresbeginn in den Branchen Metall- und Elektroindustrie, Holz und Kunststoff sowie Textil und Bekleidung rund 25.000 Arbeitsplätze abgebaut worden seien. Dies gehe nicht spurlos an der Mitgliederentwicklung vorbei. "Wer daraus die Legende strickt, dass der IG Metall die Mitglieder davon laufen, verkehrt die Tatsachen oder handelt böswillig, um der Gewerkschaft zu schaden", erklärte Bezirksleiter Werner Neugebauer. Die vergangenen Wochen seien aber für die Mitgliederentwicklung sicher nicht förderlich gewesen seien.

Alle Gewerkschaften schrumpfen

Wie auch andere Gewerkschaften verliert die IG Metall seit Jahren Mitglieder. So verlor die IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) in diesem Jahr bereits rund 24.000 Mitglieder, auch die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) berichtete am Mittwoch auf Anfrage von einem weiteren Rückgang. Die Gewerkschaften geben der schlechten Arbeitsmarktsituation die Hauptschuld. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte als Dachverband Ende des Jahres 2000 noch insgesamt rund 7,77 Mio. Mitglieder, bis Ende vergangenen Jahres rutschte die Zahl auf rund 7,70 Mio. ab - obwohl mit dem Zusammenschluss von fünf Gewerkschaften zu ver.di die 400.000 Mitglieder der ehemaligen Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) in den DGB zurückgekehrt waren.

Ende August soll auf einem Gewerkschaftstag die neue IG-Metall-Führung mit Jürgen Peters und Berthold Huber an der Spitze gewählt werden. Im Laufe des Führungsstreits war vor zweieinhalb Wochen der langjährige Gewerkschaftsvorsitzende Klaus Zwickel zurückgetreten.

Finanzvorstand Bertin Eichler hatte am Montag im "Handelsblatt" als Konsequenz aus dem Mitgliederrückgang ein drastisches Sparprogramm angekündigt und Verständnis für die Austritte gezeigt. Laut Eichler muss die Gewerkschaft ihre laufenden Budgets um zehn Prozent kürzen. Das Defizit in diesem Jahr werde sich auf rund 8,4 Mio. Euro belaufen. Experten schätzen das Vermögen der IG Metall dem Bericht zufolge auf mindestens drei Mrd. Euro. (APA/AP)

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