Blix: USA beging Völkerrechtsbruch

8. August 2003, 17:56
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Ex-UNO-Chefinspektor: Washington nannte keine wahren Kriegsgründe - Saddam habe keine unmittelbare Bedrohung dargestellt

Stockholm - Ungewöhnlich scharf hat der frühere UNO-Chefinspektor Hans Blix am Mittwoch das Vorgehen der US-Regierung gegen den Irak kritisiert. In einer Radiosendung des Schwedischen Rundfunks warf Blix US-Präsident George W. Bush Völkerrechtsbruch vor und zog dessen offizielle Kriegsbegründung in Zweifel. "Ich sehe nicht, dass das Vorgehen und seine Rechtfertigung in Einklang mit der UN-Charta standen", sagte der 75 Jahre alte Schwede. Die USA hätten zudem die Autorität des Weltsicherheitsrates beschädigt. Saddam Hussein habe keine unmittelbare Bedrohung für die Nachbarstaaten des Irak oder gar die USA dargestellt.

Die Bush-Regierung müsse daher andere Gründe für die Invasion gehabt haben, "neben dem offen erklärten Ziel, Massenvernichtungswaffen zu finden und zu zerstören". Ein wichtiges Element sei mit Sicherheit das Bedürfnis der USA gewesen, nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Schlagkraft zu demonstrieren.

Befremdung

Abfällig äußerte sich Blix besonders über das amerikanische Verteidigungsministerium. "Ich fand es befremdlich, dass diejenigen, die für ein militärisches Eingreifen waren, hundertprozentige Gewissheit über die irakischen Massenvernichtungswaffen hatten. Zugleich stellte sich heraus, dass sie null Prozent Kenntnisse darüber hatten, wo die Waffen sein sollten." Der Sicherheitsrat hätte womöglich einer Intervention zugestimmt, sagte Blix weiter, wenn die irakische Regierung die UN-Inspektionen weiterhin verhindert hätte.

Die Waffenkontrolleure der Vereinten Nationen durften im Irak nur dreieinhalb Monate arbeiten und wurden am 18. März abgezogen - zwei Tage vor den ersten Angriffen auf Bagdad. Nach Ansicht von Blix ist es zunehmend unwahrscheinlich, dass britische oder amerikanische Truppen noch verbotene Waffen im Irak finden. Sie seien nun schon länger auf der Suche als die UN-Inspektoren, sagte Blix. (APA/AP)

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    Scharfe Worte vom ehemaligen UN- Chefinspektor Blix.

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