Mangos für die Großstädter

21. November 2013, 05:30
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Jakartas Bürgermeister Joko Widodo lässt 40.000 Obstbäume in der versmogten Millionenmetropole pflanzen - ein frühes Wahlzuckerl

Jakarta/Stuttgart - Jakarta ist ein Moloch. Fast zehn Millionen Menschen kämpfen sich täglich durch Smog, verstopfte Straßen und Müllhalden. Bürgermeister Joko Widodo will nun Abhilfe schaffen und der indonesischen Hauptstadt eine umweltfreundliche Politik verordnen.

In einem einzigartigen Aufforstungsprogramm sollen 40.000 Obstbäume entlang der Straßen und Siedlungen gepflanzt werden: Mango, Guave, Durian, Litschi. Die Früchte gebühren den Bürgern, sie dürfen von jedem Bewohner geerntet werden.

Es ist eine Art modernes Gemeingut in der Megacity. In Kübeln stehen die Bäume schon bereit, Ende November, mit dem Einsetzen des Monsunregens, sollen sie eingepflanzt werden. "Eine Stadt muss ästhetisch, grün und nahrhaft sein", sagt das Stadtoberhaupt.

Orientierung für die Steinadler

Gut möglich, dass die Früchte den Bewohnern künftig in den Mund wachsen. Die Bäume sollen darüber hinaus Schatten spenden und als Orientierung für die Steinadler aus Sibirien dienen, die jedes Jahr im September in wärmere Regionen aufbrechen und deren letzte Etappe meist Jakarta ist.

Joko Widodo, von allen nur "Jokowi" genannt, ist selbst ein bunter Vogel und zeigt sich wahlweise in Militäruniform, traditionellem Gewand oder beim Marathon in rotem T-Shirt. Den Anzug tauscht er bei Überschwemmungen umgehend gegen grelle Warnwesten ein.

Jokowi gibt sich jovial und volksnah, über die Stadtgrenzen hinaus genießt er große Popularität. Seit 2012 ist er Bürgermeister von Jakarta, davor bekleidete er das gleiche Amt in seiner Heimatstadt Surakarta auf Java. Ein Magazin adelte ihn 2008 zu einem der zehn besten Bürgermeister Indonesiens. Jokowi gelang es, aus einer von organisierter Kriminalität durchsetzten Metropole eine attraktive Touristenstadt zu machen.

Hauptstadt soll grüner werden

In seiner Freizeit hört Jukowi gerne Heavy Metal, in seinem Privatbesitz soll sich eine Originalgitarre der Band Metallica finden. Mit der ehemaligen Staatspräsidentin Megawati Soekarnoputri stellte er einen Plan auf, Indonesiens Hauptstadt grüner zu machen. Jokowis Affinität zur Umwelt kommt nicht von ungefähr: An der Fakultät für Forstwirtschaft der Gadjah Mada University erhielt er 1985 sein Ingenieursdiplom.

Und wie es sich für einen Forstwirt gehört, legte er bei den ersten Pflanzungen selbst Hand an - mit dem Spaten. Die Aufforstung würde helfen, die Luftverschmutzung in der Stadt zu reduzieren, Regenwasser zu absorbieren und die Stadt zu verschönern, sagte Jukowi der Tageszeitung The Jakarta Post. "Die Pflanzen werden auch als Ökosystem für Vögel dienen und haben einen wirtschaftlichen Nutzen für die Anwohner."

Bewohner dürfen kostenlos ernten

Die Obstbäume sollen auf Gehwegen und in Siedlungen eingesetzt werden, aber auf bestimmte Bezirke begrenzt sein. "Die Bewohner dürfen die Früchte ernten, es ist kostenlos", versicherte der Bürgermeister. Im Gegenzug sollen die Bürger die Bäume hegen und pflegen. Bei den Bewohnern kommt die Maßnahme gut an. "Eine Superidee", befand Ahmad Firmansyah im Forum der Tageszeitung Kompas.

Jokowis Popularität wird durch das Programm weiter wachsen. 2014 sind in Indonesien Präsidentschaftswahlen. Umfragen sehen Jokowi weit vorn, obwohl er seine Kandidatur noch nicht einmal angekündigt hat.

Der sympathische Mann ist der Hoffnungsträger eines ganzen Landes. Seine Anhänger der Indonesian Democratic Party - Struggle haben bereits Vorbereitungen getroffen. Doch so weit denkt Jokowi angeblich nicht. Priorität habe für ihn die nächste Ernte - in Jakarta. (Adrian Lobe, DER STANDARD, 21.11.2013)

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    Widodo, der Gärtner von Jakarta.

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    Die Mangos wachsen einem in den Mund - zumindest in Jakarta.

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