Clintons Klinkenputzer besiegt die Tea Party

Porträt6. November 2013, 15:07
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Terry McAuliffe wird Gouverneur von Virginia, davor sammelte er hunderte Millionen für demokratische Politiker

"Ich habe alle meine geschäftlichen Kontakte durch die Politik geknüpft. Das hängt alles zusammen." Terry McAuliffe lebt bereits sehr lange ein Leben zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite steht seine politische Karriere: Seit mehr als 30 Jahren ist McAuliffe eine der bestimmenden Figuren in der demokratischen Partei. In diversen Präsidentschaftswahlkämpfen mischte er als eine der entscheidenden Personen mit. Am 14. Jänner nächsten Jahres wird er nun Gouverneur im US-Bundesstaat Virginia. Auf der anderen Seite ist er aber auch der Geschäftsmann, der Millionär, der Bauherr. "Der erfolgreichste Fundraiser in der politischen Geschichte" wurde der 56-Jährige von der NBC 2007 genannt.

Tatsächlich sind die Summen, die McAuliffe für diverse Politiker einsammelte, enorm. Unter anderem für Bill und Hillary Clinton, den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Dick Gephardt, den Parlamentarier Tony Coelho und - sich selbst. Allein während Bill Clintons Präsidentschaft akquirierte er durch Crowdfunding rund 275 Millionen Dollar. Bis dahin war es völlig unvorstellbar, auf diesem Weg derartige Summen zu lukrieren. In einem Gespräch mit der "New York Times" gab McAuliffe an, mehr als 18.000 Karteikarten mit zugehörigen Kontakten aufzubewahren.

8.000 Prozent Rendite in zwei Jahren

Bereits mit 14 Jahren gründet er seine erste Firma, mit 28 ist er an der Gründung der Federal City National Bank beteiligt. Zwei Jahre später wird er deren Vorsitzender und damit der jüngste gewählte Vorsitzende einer staatlich lizenzierten Bank in der Geschichte der USA. Auch in anderen ökonomischen Bereichen ist McAuliffe aktiv - und erfolgreich. Besonders mit Hochrisikogeschäften verdient er viele Millionen.

Ein kleines Beispiel: 1997 investiert er 100.000 Dollar in Global Crossing, eine auf den Bermudas ansässige Telekommunikationsfirma. Nachdem Global Crossing 1998 an die Börse geht, verkauft er den Großteil seiner Anteile im Folgejahr mit einem Gewinn von acht Millionen Dollar, andere Quellen sprechen gar von 18 Millionen. Im Jahr 2002, McAuliffe hatte mittlerweile auch seine restlichen Aktien veräußert, geht das Unternehmen in Konkurs. 10.000 Angestellte verlieren ihren Arbeitsplatz, Investoren insgesamt 54 Milliarden US-Dollar. Der Fall Global Crossing ist einer der größten Insolvenzfälle in der Geschichte der USA, die Rolle McAuliffes in diesem Prozess noch heute umstritten.

Bei der Pleite des Energiekonzerns Enron, die auf einem der größten Unternehmensskandale der US-Wirtschaft aufbaut, ist McAuliffe einer der Ersten, die die US-Regierung um George W. Bush scharf angreifen. Den Vorwurf der Scheinheiligkeit, den die US-Medien daraufhin erheben, weist er auf seine ganz eigene Art zurück: "Was ist mit Ihnen? Sind Sie eifersüchtig oder so?"

Gouverneur im zweiten Versuch

Ein Neuling auf der politischen Bühne ist McAuliffe wahrlich nicht: 1980 engagiert er sich im Wahlkampf für den amtierenden Präsidenten Jimmy Carter, 1996 ist er stellvertretender Wahlkampfleiter Bill Clintons, 2008 leitet er das Wahlkampfteam von dessen Frau Hillary. Zuvor ist er von 2001 bis 2005 Parteivorsitzender der Demokraten. Die Clintons spielen auch in seinem Wahlkampf in Virginia eine entscheidende Rolle. Sowohl der Ex-Präsident als auch die ehemalige Außenministerin treten immer wieder bei Wahlkampfveranstaltungen McAuliffes auf - und sparen nicht mit Lob für den langjährigen Wegbegleiter.

In Virginia tritt McAuliffe bereits 2009 als Kandidat an, scheitert jedoch bereits bei den Vorwahlen an seinem prominenten Mitbewerber Creigh Deeds. Deeds wiederum unterliegt bei den Wahlen dem republikanischen Kandidaten Bob McDonnell. Da in diesem Jahr kein weiterer Kandidat aus dem Lager der Demokraten antritt, wird McAuliffe 2013 automatisch als Anwärter der Demokraten aufgestellt und kann sich schließlich knapp gegen den favorisierten, der Tea Party nahestehenden Kandidaten der Republikaner, Ken Cuccinelli, durchsetzen. Die Wahl galt im Vorfeld als Stimmungstest für die Tea-Party-Bewegung nach dem erbitterten Budgetstreit während des Government-Shutdowns.

Sorgen um unpopuläre Maßnahmen und eine dementsprechend ausbleibende Wiederwahl braucht sich McAuliffe jedenfalls nicht zu machen. Virginia ist der einzige Bundesstaat in den USA, in dem der Gouverneur nach seiner ersten Amtszeit nicht erneut antreten kann. Eine Wiederwahl ist dort lediglich nach einer vierjährigen Pause möglich. (Josef Saller, derStandard.at, 6.11.2013)

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    Ein gut eingespieltes Team: Früher warb Terry McAuliffe für Bill Clinton, in den letzten Monaten wurden die Rollen getauscht.

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    Es ist geschafft. McAuliffe ist zum Gouverneur von Virginia gewählt worden.

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