De Blasio zum neuen Bürgermeister von New York gewählt

6. November 2013, 21:16
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Erster Sieg eines Demokraten seit zwei Jahrzehnten - Chris Christie in New Jersey bestätigt

Der Zweimetermann strahlt, enthusiastisch beugt er sich hin­unter zu seiner Frau Chirlane McCray, er reißt ihren Arm hoch, als wäre er ein Ringrichter und sie die Siegerin eines Boxkampfes. Und dann spricht Bill de Blasio sofort von seinen Kindern: "Ja, meine lieben Mitbürger, sie sind ausgesprochen stilvoll!"

Es ist eine Zäsur, schon fast eine kleine Revolution: Zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren haben die New Yorker wieder einen Politiker der Demokratischen Partei zu ihrem Mayor, zu ihrem Bürgermeister gewählt. Noch dazu einen, der eher dem linken Flügel zuzurechnen ist. Der letzte Demokrat an der Rathausspitze des Big Apple war der Afroamerikaner David Dinkins gewesen. Ihn beerbte Rudy Giuliani, ein Republikaner der Law-and-Order-Fraktion.

Und auch Michael Bloomberg, 2001 zum Mayor gewählt, nur wenige Wochen nach den schrecklichen Terroranschlägen auf das World Trade Center in Manhattan, neigte eine Zeitlang der republikanischen "Grand Old Party" zu, bevor er sich als unabhängiger Kopf in der politischen Mitte profilierte.

Nun kam de Blasio auf 73 Prozent der Stimmen, womit er seinen farblosen Widersacher Joe Lhota, einen früheren Budgetdirektor Giulianis, fast zum Statisten degradierte. Ein Mann, der auf den Spuren des einst so umjubelten Hoffnungsträgers Barack Obama wandelt, auf den Spuren von "Change", Wandel. "Meine lieben Mitbürger, heute haben Sie sich laut und deutlich für eine neue Richtung für unsere Stadt ausgesprochen", sagte er in seiner oftmals von aufbrandendem Applaus unterbrochenen Siegerrede.

Bestätigung für Christie

So eindeutig sich de Blasio in New York durchsetzte, so klar triumphierte der Republikaner Chris Christie bei der Gouverneurswahl im benachbarten Ostküstenstaat New Jersey. Ein Linksruck in der Metropole, ein Votum für den Status quo hingegen in der Provinz: Christie, der Amtsinhaber, erreichte 60 Prozent der Stimmen und ließ Barbara Buono, seiner demokratischen Kontrahentin, keine Chance.

Aufschlussreich ist ein genauerer Blick auf das Verhalten einzelner Wählerschichten: Hispanische Amerikaner – vor zwölf Monaten waren sie das Zünglein an der Waage, als sie bei den Präsidentschaftswahlen Barack Obama den Vorzug vor Mitt Romney mit dessen Hardlinerparolen in Sachen Einwanderungsrecht gaben – stimmten etwa zur Hälfte für Christie. Bei Romney waren es gerade einmal 27 Prozent. Allein das dürfte den schwergewichtigen, hemdsärmeligen Wortkünstler motivieren, 2016 seinen Hut in den Ring des nächsten Duells ums Weiße Haus zu werfen.

Dann der Kontrast zur Tea Party: Während die rechten Rebellen die ultrareine Lehre predigen, gibt sich Christie als Champion des Kompromisses. Es begann damit, dass er vor einem Jahr, als der Wirbelsturm Sandy die Küsten New Jerseys verwüstete, gemeinsame Fernsehauftritte mit Obama geradezu suchte – eine Art Schulterschluss unter Krisenmanagern. Im Wahlkampf der vergangenen Wochen redete er, wo immer er auftrat, pragmatischen, sachorientierten Lösungen das Wort.

Im Jubel um seinen Sieg setzte er rhetorisch noch eins drauf. "Ich weiß, ein mutloses Amerika schaut heute Nacht nach New Jersey und staunt: ‚Ist das wirklich wahr? Kommen die Leute wirklich zusammen?'" Wenn es eine Lektion für die Tea-Party-gebeutelten Konservativen gebe, dann sei es Christies Sieg in einem blauen demokratischen Bundesstaat, meint Larry Sabato, Politikwissenschaf­ter an der University of Virginia.

In Virginia, traditionell ein hart umkämpfter Swing-State, behielt der Demokrat Terry McAuliffe, einer der engsten Vertrauten Bill und Hillary Clintons, knapp die Oberhand über Ken Cuccinelli, einen konservativen Republikaner.  (Frank Herrmann aus Washington /DER STANDARD, 7.11.2013)

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    Bill de Blasio auf der Siegesfeier der Demokraten in New York. Sein Wahlkampfteam twitterte kurz nach Schließung der Wahllokale: "Danke, New York City!"

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    Natürlich dürfen sein Sohn Dante, seine Tochter Chiara und seine Ehefrau Chirlane McCray nicht bei der Siegesfeier fehlen.

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