Ein Grödiger für Österreich

5. November 2013, 18:00
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Teamchef Koller nominierte Zulechner für das Spiel gegen die USA - Hinteregger wieder dabei - Hinterseer weiterhin mit von der Partie

Wien - Auch eine Woche nach seiner Vertragsverlängerung als österreichischer Fußball-Teamchef bleibt Marcel Koller seiner Linie weitgehend treu. Lediglich Austria-Stürmer Philipp Hosiner fehlt im ÖFB-Kader für das Testspiel am 19. November in Wien gegen die USA. Der Bundesliga-Schützenkönig der Vorsaison wird im 24-köpfigen Aufgebot von Philipp Zulechner ersetzt. Das gab Koller am Dienstag bekannt.

Es war nun nicht so, dass in Grödig Konfettiparaden abgehalten wurden, aber es ist in der Salzburger Marktgemeinde schon etwas Bemerkenswertes passiert. Erstmals in der österreichischen Fußballgeschichte stellt der SV Grödig einen Teamspieler, nämlich eben Zulechner. Der ist 23 Jahre alt und übt die Profession eines Stürmers aus. Er hat in dieser Saison für den Aufsteiger zehn Tore erzielt. Das ist Marcel Koller nicht entgangen, er hat mit Grödigs Trainer Adi Hütter telefoniert, der die frohe Kunde Zulechner übermittelte. Koller: "Ich nehme an, dass er sich gefreut hat."

Ab in die Sonne

Mit Salzburg-Verteidiger Martin Hinteregger und dem zuletzt bereits nachnominierten Wacker-Innsbruck-Angreifer Lukas Hinterseer sind neben Zulechner zwei weitere potenzielle Debütanten im Kader - für Koller-Verhältnisse fast schon eine kleine Revolution. "Wir wollen die drei Neuen richtig testen und dadurch unsere Möglichkeiten, die wir im Kader haben, vergrößern", erklärte der Schweizer.

Gelegenheit dazu bekommt er bei einem einwöchigen Trainingslager, das der ÖFB-Team vor dem USA-Spiel von 11. bis 17. November in Alicante einschiebt. Koller nannte neben den wärmeren Temperaturen auch die größere Ruhe als Grund für die Vorbereitung in Spanien. "Hin und wieder ist es gut, wenn man ein bisschen wegkommt und auch einmal etwas anderes sieht", meinte der 52-Jährige.

Rückenstärkung für Hosiner

Hosiner, bei der Austria zum Reservisten degradiert, macht die Reise in den Süden nicht mit. Der 24-Jährige steht nur auf Abruf. "Das heißt nicht, dass wir Hosiner fallen lassen", betonte Koller. "Er macht im Moment eine schwierige Phase durch, ist aber weiter im Fokus. Vorerst soll er beim Verein Gas geben und sich dort bestätigen. Er hat ein gutes Selbstvertrauen. Es ist aber wichtig, dass er das auch auf den Platz bringt. Er darf den Kopf nicht in den Sand stecken."

Dafür erhält Zulechner in Alicante die Chance, sich zu empfehlen. Hinterseer stand schon zum Abschluss der WM-Quali auf den Färöer (3:0) kurz vor seinem Teamdebüt. Hinteregger zählt zu den Stützen der U21, im A-Team war er aber seit einem Lehrgang im Juni 2012 nicht mehr dabei. "Hinteregger steht schon einige Zeit auf dem Plan", sagte Koller. "Er hat zuletzt regelmäßig Spiele bei Salzburg gemacht und sich dort gut weiterentwickelt."

Grünes Licht von Klein und Prödl

Sein Klubkollege Florian Klein gab nach überstandenem Oberarmbruch ebenso Grünes Licht wie Bremen-Legionär Sebastian Prödl, den zuletzt muskuläre Probleme plagten. Im Vergleich zur WM-Qualifikation fehlt neben Hosiner auch der verletzte Mainz-Legionär Julian Baumgartlinger. Der damals nachnominierte Jakob Jantscher (NEC Nijmegen) befindet sich wie der zuletzt am Knöchel verletzte Gudio Burgstaller (Rapid) auf Abruf.

Auf große Experimente will sich Koller gegen die USA nicht einlassen, geht es doch auch um Punkte für die Weltrangliste. Diese wird zu einem Teil darüber mitentscheiden, ob Österreich bei der Auslosung für die kommende EM-Qualifikation aus Topf drei oder vier gezogen wird. "Ich scheue mich nicht, etwas zu verändern", sagte Koller. "Wir werden aber sicher nicht alles auf den Kopf stellen."

In Testspielen ist es zuletzt nicht als nach Wunsch verlaufen. Gegen die Elfenbeinküste (0:3), in Wales (1:2) und gegen Griechenland (0:2) setzte es jeweils Niederlagen. "Wir werden das auch in Alicante ansprechen", versicherte Koller. "Wenn wir einen Schritt weiter kommen wollen, dann müssen wir alle diese Spiele konsequent angehen - nicht nur, wenn es wirklich um die Wurst geht."

Trainerpersonalfragen

Das Trainerteam, mit dem Koller in die EM-Quali für Frankreich 2016 geht, ist noch nicht endgültig fixiert. Fest steht nur, dass Assistent Thomas Janeschitz und Tormanntrainer Franz Wohlfahrt erhalten bleiben. Die Zukunft des Schweizer Co-Trainers Fritz Schmid ist vorerst ebenso ungeklärt wie jene von Conditioning Coach Roger Spry. Koller: "Es ist zu früh, zu sagen, dass alle weitermachen." 

Alan aktuell kein Thema

Eine mögliche Zukunft von Alan im ÖFB-Team ist für Koller vorerst kein Thema. Seit Tagen wird in den Medien über eine Einbürgerung des 24-jährigen Salzburg-Stürmers spekuliert. Eine Spielerlaubnis vom Weltverband FIFA könnte der Brasilianer frühestens 2015 erhalten, wenn er fünf Jahre ununterbrochen in Österreich gelebt hat. Ob dies überhaupt möglich ist, ist aber noch nicht restlos geklärt. Alan hat in der U20 drei Länderspiele für Brasilien bestritten. Sollte es sich dabei um zumindest ein offizielles FIFA-Spiel gehandelt haben, wären Einsätze für ein anderes Land nicht mehr möglich.

"Das sind hypothetische Fragen. Zuerst muss er Österreicher werden", betonte Koller. "Wenn er Österreicher ist, klar, dann wäre es eine interessante Möglichkeit."  (APA/red, 5.11.2013)

Teamkader für das freundschaftliche Länderspiel gegen die USA:
(19. November, 20.45 Uhr, Ernst-Happel-Stadion)

TOR: Robert Almer (FC Energie Cottbus/GER, 12 Länderspiele), Heinz Lindner (FK Austria Wien, 5), Ramazan Özcan (FC Ingolstadt 04/GER, 1)

VERTEIDIGUNG: Aleksandar Dragovic (Dynamo Kiew/UKR, 26 Länderspiele/0 Tore), Christian Fuchs (FC Schalke 04/GER, 59/1), György Garics (FC Bologna/ITA, 37/2), Martin Hinteregger (FC RB Salzburg, 0), Florian Klein (FC RB Salzburg, 16/0), Emanuel Pogatetz (1. FC Nürnberg/GER, 60/2), Sebastian Prödl (Werder Bremen/GER, 44/4), Manuel Ortlechner (FK Austria Wien, 9/0), Markus Suttner (FK Austria Wien, 9/0)

MITTELFELD: David Alaba (Bayern München/GER, 30/6), Marko Arnautovic (Stoke City/ENG, 31/7), Andreas Ivanschitz (Levante UD/ESP, 65/12), Zlatko Junuzovic (Werder Bremen/GER, 29/4), Veli Kavlak (Besiktas JK/TUR, 28/1), Christoph Leitgeb (FC RB Salzburg, 35/0), Marcel Sabitzer (SK Rapid Wien, 3/0), Martin Harnik (VfB Stuttgart/GER, 41/10)

STURM: Marc Janko (Trabzonspor/TUR, 36/15), Lukas Hinterseer (FC Wacker Innsbruck, 0), Philipp Zulechner (SV Grödig, 0)

Auf Abruf: Thomas Gebauer (SV Ried, 0); Christopher Dibon (SK Rapid Wien, 1/1), Franz Schiemer (FC RB Salzburg, 25/4), Christopher Trimmel (SK Rapid Wien, 3/0), Andreas Ulmer (FC RB Salzburg, 2/0); Guido Burgstaller (SK Rapid Wien, 7/0), Thomas Hinum (SV Ried, 0), Jakob Jantscher (NEC Nijmegen/NED, 16/1), Marco Meilinger (FC RB Salzburg, 0), Yasin Pehlivan (Bursaspor/TUR, 17/0), Daniel Royer (FK Austria Wien, 6/0); Philipp Hosiner (FK Austria Wien, 5/2), Robert Zulj (SV Ried, 0)

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    Teamchef Marcel Koller gibt Philipp Zulechner eine Chance.

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    Der Stürmer von Aufsteiger Grödig hat in dieser Saison wie Alan (RBS) schon zehn Treffer in der Liga erzielt. Nur Jonatan Soriano (RBS) hat öfter (12 Mal) in die Maschen getroffen.

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