Nowotny will Pickerl für Finanzprodukte

30. Oktober 2013, 18:18
189 Postings

Notenbank-Chef Ewald Nowotny über die Zukunft der Banken und eine bessere Kennzeichnung für Anlageprodukte

Wien - Österreich ist overbanked, bei den Kennzahlen steigen die heimischen Institute im internationalen Vergleich schlecht aus, und die Aktien von Erste Bank, Raiffeisen und Co. waren auch schon einmal mehr wert. Mit diesen Worten provozierte Helmut Karner, Management Consultant und Professor an der Donau Universität Krems, am Dienstagabend jene Banker, die an der Podiumsdiskussion vom Finanzmarketingverband Österreich teilnahmen.

Die Aktivitätsfelder der Banken hat Stephan Schulmeister, Wirtschaftsforscher und Universitätslektor, kritisiert. Es mangle den Geldhäusern an Ideen. Damit war die zentrale Frage des Abends auf dem Tisch: Müssen sich Banken anders aufstellen, um im aktuellen Umfeld überleben zu können?

Zumindest an der Filialdichte werde sich etwas verändern. Bank-Austria-Chef Willibald Cernko und RZB-Aufsichtsratschef Erwin Hameseder erwarten eine Konsolidierung. "Wir haben unsere Geschäftsmodelle einer kritischen Überprüfung zu unterziehen", sagte Cernko. Das Kundenverhalten habe sich stark verändert, virtueller und realer Marktplatz fließen ineinander.

Weniger Filialen

"Wir werden deutlich weniger Filialen sehen und deutlich weniger Mitarbeiter beschäftigen in den neuen Geschäftsmodellen", meinte Cernko. Einen Abschied von der klassischen Bankfiliale ortet der BA-Chef nicht: Filialen würden als Orte für Beratungsleistungen weiter gebraucht.

Um das Einlagengeschäft wird laut Hameseder künftig mehr gerittert werden. Kreditkunden würden viel genauer auf ihre Bonität und auf das damit verbundene Risiko für die Bank geprüft. Dass dabei einige zu kurz kommen, sei zu befürchten, sagte Hameseder.

OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny forderte von den Banken eine bessere Kennzeichnung von Finanzprodukten - durch grüne und rote Pickerl. Jene Kunden, die zu roten Produkten greifen, müssten wissen, dass sie Risiko eingehen. Damit würden Banken vom derzeitigen Modell wegkommen, das der OeNB-Chef so skizzierte: "Läuft ein Produkt gut, ist der Bankberater der beste Freund des Kunden. Andernfalls drohen Klagen, weil der Kunde - plötzlich unmündig - sich nicht erklären kann, warum man ihm dieses riskante Produkt verkauft hat." Der Schutz für Kunden sei nicht größer, wenn man diesen 60-seitige Prospekte gebe, die nicht gelesen werden, sagte Nowotny. Bei vierseitigen Broschüren steige die Lese-Wahrscheinlichkeit.

An eine neue Regierung schickten Cernko und Hameseder den Wunsch, dass man wieder miteinander ins Gespräch komme. Cernko forderte auch eine Zweckwidmung für die Bankenabgabe.

Am Mittwoch wurde nachgelegt. Österreichs Banker wollen auf Basis einer Studie Verhandlungen über die Bankensteuer aufnehmen, sobald die neue Regierung steht. Die Banken sehen sich durch die Abgabe im Wettbewerb geschwächt. Sie wollen diese zumindest nicht mehr ins allgemeine Budget fließen sehen. Laut Studie ist von jährlich 6,7 Mrd. Euro an zusätzlichen Regulierungs- und Kapitalkosten für die Banken die Rede. Werde nichts getan, gefährde das die Banken in der Geschäftsfortführung. (bpf, DER STANDARD, 31.10.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Müssen Banken sich anders aufstellen? Darüber diskutierten Helmut F. Karner von der Donau-Uni Krems, Bank-Austria-Chef Willibald Cernko, Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, Eric Frey vom Standard, Erwin Hameseder, Aufsichtsratschef der RZB und Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister (v. li.).

Share if you care.