Koller sagt wieder Ja zu A

30. Oktober 2013, 19:18
2561 Postings

Das wochenlange Tauziehen um Marcel Koller nahm mit der Vertragsverlängerung als Teamchef bis Ende 2015 ein Ende. Der Schweizer Fußballverband hat das Nachsehen

Wien - Das Tauziehen um Teamchef Marcel Koller hat doch noch ein positives Ende genommen. Der Schweizer entschied sich am Mittwochvormittag für einen Verbleib beim ÖFB und gegen ein Engagement als Nationaltrainer in seiner Heimat, wo Ottmar Hitzfeld sein Amt nach der WM-Endrunde in Brasilien niederlegt. Kollers neuer Vertrag läuft bis Ende 2015. Im Falle einer Qualifikation für die EM-Endrunde 2016 in Frankreich verlängert sich das Engagement entsprechend.

"Ich will dieses Projekt weiterführen"

"Dies war, auf den Fußball bezogen, die schwierigste Entscheidung, welche ich in meiner Karriere treffen musste", wurde Koller in einer Verbandsaussendung zitiert. Österreichs Teamchef, der seit November 2011 im Amt ist und dessen Vertrag mit Jahresende ausgelaufen wäre, dürfte kein Fan von halben Sachen sein: "Ich habe vor zwei Jahren dieses Projekt beim ÖFB begonnen und ich will es weiterführen", so der 52-Jährige.

ÖFB-Präsident Leo Windtner zeigte sich über den Verbleib Kollers sehr erfreut. "Ich bin sehr froh, dass die Entscheidung für den Weg mit Marcel Koller gefallen ist. Der ÖFB steht für Kontinuität und diese ist mit dieser Entscheidung des alten und neuen Teamchefs gegeben", so der Verbandsboss, der überzeugt ist, dass "dieses Team unter seiner professionellen Führung sehr gute Chancen hat, die nächste EM Endrunde zu erreichen."

"Ganz Österreich hat Grund zur Freude"

Auch die Spieler nahmen die Vertragsverlängerung sehr positiv auf. "Good news from ÖFB...HAPPY!", twitterte etwa Marc Janko. Und Sebastian Prödl meinte: "Ganz Österreich hat Grund zur Freude. Er hätte Teamchef in seiner Heimat werden können und hat sich für Österreich entschieden, das muss man ihm hoch anrechnen."

Generell dürfte bei vielen Fans des österreichischen Fußballs die Erleichterung groß gewesen sein, dass Koller verlängert hat. Michael Hufnagl (Journalist, Buchautor und Gedankenspieler) brachte die Befürchtungen weiter Fankreise in seinem Tweet auf den Punkt, als er schrieb, "Marcel Koller sagt "Ja" und vertreibt damit das Schreckgespenst "Österreichische Lösung".

Die Entscheidung für das ÖFB-Team kam insofern überraschend, weil sich der Schweizer gegen einen wohl besser dotierten Vertrag mit besseren Aussichten bei der Nummer sieben der FIFA-Weltrangliste entschied. Österreich nimmt in diesem Ranking nur den 53 Platz ein, hat sich jedoch in den letzten zwei Jahren um 18 Plätze nach oben gearbeitet. Der ÖFB besserte das Angebot für Koller in finanzieller Hinsicht jedoch auch noch einmal nach. Österreich qualifizierte sich zuletzt 1998 sportlich für Titelkämpfe (WM in Frankreich).

Struktur und Konstanz

Die ÖFB-Auswahl spielte unter Koller strukturierter, agierte mit koordiniertem Pressing und schnellem Umschaltspiel und konnte sich vor allem in Pflichtspielen stabilisieren. Im Gegensatz zu Vorgänger Josef Hickersberger legte sich der Schweizer schnell auf einen Stamm fest, Änderungen im Kader gab es zumeist nur wegen Verletzungen und Sperren. Das Ziel, die Quali für die WM 2014, verpasste er dennoch, wenn auch knapp.

Koller gilt als akribischer Arbeiter. ÖFB-Mitarbeitern zufolge absolvierte er häufig 50-Stunden-Wochen im Büro, um an Matchplänen und Gegneranalysen zu tüfteln. An Wochenenden absolvierte er Stadionbesuche in Österreich und Deutschland. Auch durch dieses Arbeitsethos wurde Koller für den Schweizer Verband oder Nürnberg interessant und schaffte, was nur wenigen vor ihm gelang - seinen Marktwert während seiner Zeit als ÖFB-Teamchef zu steigern.

Fast vergessen ist die Kritik heimischer Fußballgrößen, als Koller vor zwei Jahren überraschend als Teamchef präsentiert wurde. Der Schweizer war davor zwei Jahre ohne Job gewesen. Die nächsten zwei Jahre sind jobmäßig gesichert. (Thomas Hirner, derStandard.at, 30.10.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Bangen hat ein Ende: Marcel Koller bleibt ÖFB-Teamchef.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Von Prohaska bis Koller.

Share if you care.