Die Geheimnisse der Erwachsenen

28. Oktober 2013, 18:09
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"Das Märchen vom alten Mann" im Kindertheater Dschungel Wien

In Büchners Woyzek erzählt die Großmutter ein kurzes Märchen: "Es war einmal ein arm Kind ..." Aus dieser Geschichte und einigen Motiven von Hans Christian Andersen hat das Wiener Theater Montagnes Russes zusammen mit dem Ensemble Lux Das Märchen vom alten Mann als Musiktheater für junge Leute ab sieben Jahren gezaubert. Gezeigt wird diese Uraufführung derzeit vom Youngsterstheater Dschungel im Rahmen des Festivals Wien Modern.

Eine ganz, ja, übertrieben normale Familie hat ein schönes Haus erworben. Kaum ist es eingerichtet, taucht darin ein verwirrt wirkender alter Mann auf, der sich nicht abwimmeln lässt und verzweifelt auf der Suche nach etwas zu sein scheint. Dass dieser Eindringling identisch mit Büchners armem, verlassenem Waisenkind sein könnte, lässt bereits der unheimliche Beginn vermuten. Für die steife Regie zeichnet Cornelia Rainer verantwortlich, und die Schauspieler bemühen sich redlich um Glaubwürdigkeit. Fiammetta Horvats Set und Videoprojektionen vermitteln intensive visuelle Eindrücke. Das Ensemble Lux -Stefanie Prenn am Cello mit den Violinisten Thomas Wally und Nikolai Tunkowitsch - sitzt anfangs im Fluchtpunkt der zentralperspektivisch eingerichteten Bühne und arbeitet sich gegen Ende weiter nach vorn. Wally hat eine Musik komponiert, die die geheimnis-volle Atmospäre genauso unterstreicht wie komische Momente hat.

Das Stück vermittelt den Kindern, dass es in der Welt der Erwachsenen sehr dunkle Geheimnisse gibt, die sich durch Brüche und Ungereimtheiten in der vermeintlich heilen Umgebung ankündigen können. Zu diesen Geheimnissen gehört, dass es Kinder gab und gibt, deren Welt zusammenbricht, was sie für ihr ganzes weiteres Leben prägt. Und dass es Täuschungen gibt, hinter welchen sich der Mond als "ein Stück faul Holz" und die Erde als "ein umgestürzter Hafen" erweisen kann. Noch einmal im Dschungel residiert Wien Modern von 2. bis 4. 11. mit der Wiederaufnahme von Jesse Broekmans Stück Das Kind der Seehundfrau in der Regie von Sara Ostertag. (ploe, DER STANDARD, 29.10.2013)

Bis 31. 10.

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