Big Brother Awards: NSA und Ubuntu räumen ab

25. Oktober 2013, 21:11
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Amazon-Integration in Desktop stößt auf - Microsoft und Bundesregierung ebenfalls ausgezeichnet

Am Freitag Abend war es wieder einmal so weit: Wie jedes Jahr wurden im Wiener Rabenhof am Vorabend des Nationalfeiertags die österreichischen Big Brother Awards verliehen. In verschiedene Kategorien unterteilt, wird der Negativpreis all jenen zuerkannt, die sich im vergangenen Jahr ganz besonders um die Aushöhlung der Privatsphäre "verdient" gemacht haben.

Ubuntu

Den ersten Preisträger hätten noch vor nicht all zu langer Zeit wohl nur wenige in dieser  Liste ewartet: In der Kategorie "Kommunikation und Marketing" wurde nämlich Ubuntu-Gründer Marc Shuttleworth ausgezeichnet. Der Jury ist dabei die Integration von Amazon-Suchergebnissen in den Desktop sauer aufgestoßen.

Körberlgeld

"Die in der Open-Source-Coummunity geforderte Transparenz bedeutet auf keinen Fall den Gläsernen User, dessen Suchabfragen über die Hintertüre ausgewertet und verkauft werden dürfen", heißt es als Begründung von der Jury. Für ein "Körberlgeld" werde die lokale Suche bei Ubuntu kommerzialisiert.

Totalüberwachung durch Xbox One

In der Kategorie "Business und Finanzen" setzte sich Steve Ballmer (noch) stellvertretend für Microsoft durch. Mit der Sprach- und Gestensteuerung der Xbox One komme die Totalüberwachung quasi ins Wohnzimmer, ein Umstand, der den obersten deutschen Datenschützer Peter Schaar dazu gebracht hat, die Spielekonsole als "Überwachungsgerät" zu klassifizieren.

Verpflichtung

Zudem bereite die Xbox One den Weg in eine düstere Zukunft, wie sie längst noch nicht allen KonsumentInnen klar sei: "Ständige Online-Verbindung ist Pflicht, die Pflicht den Echtnamen zu nutzen, ergänzt um Gesichtserkennung und Stimmerkennung sind die Bausteine um Spiele, Filme, Musik und Content einzelnen Personen verkaufen zu können." All dies auf Kosten der Privatsphäre.

Politisches Versagen

Die Kategorie "Politik" ging dieses Mal an Bundeskanzler Werner Faymann - samt seiner gesamten Bundesregierung. Wo in anderen Ländern zumindest Empörung über das Ausmaß der von Edward Snowden aufgedeckten, weltweiten Internetüberwachung des US-Geheimdiensts NSA herrscht, wird in Österreich einfach konsequent geschwiegen.

Geheimabkommen

So habe die Regierung zwar ein Abkommen mit der NSA, will aber nicht verraten, worin dieses besteht. Verteidigungsminister Klug versteige sich sogar zu der Aussage, dass diese Frage "begrenzt öffentlichkeitstauglich" sei. Ministerin Karl wiederum gibt sich zwar nach außen kämpferisch, unternehme aber nichts, um den Datenschutz in Österreich zu verbessern.

Whistleblowerfalle

Die letztgenannte hat dann auch noch einen eigenen Preis "abgesahnt" und zwar in der Sparte "Behörden und Verwaltung". Ausgezeichnet wird sie für den technisch vollkommen untauglichen Versuch eine offizielle Whistleblower-Plattform aufzuziehen.

Realität

Bei der Präsentation des neuen Angebots auf der Seite des Justizministeriums, verstieg sich Karl dazu "absolute Anonymität" zu garantieren. Wie man das sicherstellen wolle, wenn der Server bei einem Cloud-Anbieter in Deutschland steht, bleibt ein Rätsel. Aber zumindest stehen dort auch vergleichbare Plattformen deutscher Behörden, was bei der Suche nach unangenehmen Hinweisgebern ordentlich Zeit spare, so das zynische Fazit.

Deep Packet Inspection

Die Kategorie "Weltweiter Datenhunger" sichert sich die ITU, und damit eine Sonderorganisation der Vereinen Nationen. Habe diese doch ein Regelwerk erstellt, das mit der offiziellen Standardisierung von Schnüffelmethoden wie der "Deep Packet Inspection" die Prinzipien der UN-Menschenrechtschart auf technischer Ebene aushebelt.

Und natürlich: Die NSA

Bleibt noch die Kategorie "Lebenslanges Ärgernis" und deren Preisträger war ganz sicher keine Überraschung. Hatte man doch gleich gar keinen anderen Kandidaten nominiert als die National Security Agency (NSA), die die weltweite Kommunikation - vom Telefonnetz bis zum Internetverkehr - in einem Ausmaß überwacht, der selbst bei scharfen KritikerInnen zum Teil noch die eine oder andere Überraschung auslöste. (red, derStandard.at, 25.10.13)

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    Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth hat in seinem Leben schon einiges hinter sich gebracht, darunter auch einen Weltraumflug. Nun kommt der österreichische Big-Brother-Award hinzu.

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