In Trippelschritten zur Gleichstellung

25. Oktober 2013, 00:01
266 Postings

Österreich ist ein Land mit Traditionen. In Sachen Geschlechtergleichstellung fällt wohl auch deswegen die Bilanz weiterhin ernüchternd aus

An einer Wahrheit ändert sich aller Bemühungen zum Trotz seit langem nichts, hierzulande und auch anderswo: Die Arbeit von Frauen ist weniger wert als die von Männern. Geschlechtergleichstellung misst sich allerdings nicht nur auf dem Gehaltszettel. Auch die politische Teilhabe von Frauen und deren Repräsentanz im Wirtschaftsleben, der geschlechterspezifische Unterschiede beim Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung oder die politische Beteiligung insgesamt sind zu berücksichtigten. 136 Länder nimmt das World Economic Forum mit dem Global Gender Gap Report seit dem Jahr 2006 genau unter die Lupe.

Bewertet werden in der Studie der Grad der Gleich- bzw. Ungleichstellung der Geschlechter auf einer Skala von null bis 100 Prozent. Hierzulande kommt laut dem aktuellen Report Gleichstellung weiterhin nur in Trippelschritten voran. Österreich nimmt heuer Platz 19 ein, immerhin einen Rang besser als im vergangenen Jahr und insgesamt der beste Platz seit Beginn der Aufzeichnungen. 2012 machte Österreich einen großen Sprung von Rang 34 auf Rang 20. 2010 lag man noch auf Position 42, davor zwischen 29 und 27. An erster Stelle findet sich auch heuer wieder Island, schon im fünften Jahr in Folge führt das nordische Land das Ranking an. Der Gender Gap ist dort am geringsten. Auch auf den folgenden Plätzen sind nordische Länder wie Finnland, Norwegen und Schweden gelandet.

Weibliche Teilhabe

Abgeschlagen bleibt Österreich in Sachen wirtschaftlicher Teilhabe der weiblichen Welt. Untersucht werden in dieser Kategorie die Beschäftigungsquote von Frauen, die Zahl der weiblichen Fachkräfte und Techniker sowie die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen bei vergleichbarer Arbeit. Die Nase vorn hat in dieser Kategorie Norwegen. Zur Einordnung: Die Schweizer liegen in Sachen wirtschaftlicher Teilhabe auf Platz 23, Deutschland auf Platz 46, den letzten Platz nimmt Syrien ein. Für Österreich bedeutet  Platz 69 im diesjährigen Ranking aber immerhin eine Miniverbesserung von Platz 70 im Vorjahr.

Gar düster schaut es weiterhin beim Stichwort Gehaltsschere aus: Platz 96 bedeutet im Vergleich zum Vorjahr nur eine leichte Verbesserung. Damals lag die Alpenrepublik hinsichtlich der Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen bei "vergleichbaren Tätigkeiten" auf Rang 99 noch schlechter. In Sachen Teilhabe der Frauen am Arbeitsmarkt liegt Österreich mit 69 Prozent auf Rang 43. Auch was den Anteil weiblicher Führungskräfte betrifft, bestätigt die Studie andere Einschätzungen: Es geht nichts weiter. Der Anteil bei den Führungskräften liegt bei 40 Prozent - immerhin das Niveau vom Jahr 2008. 2009 sank der Anteil nämlich sogar auf 36 Prozent. Was die Rangliste betrifft, so bedeuten diese Zahlen Rang 63. Auch für Technik lassen sich Frauen weiterhin nicht so leicht begeistern – oder umgekehrt Unternehmen nicht für weibliche technische Fachkräfte. Rang 74 macht keinen schlanken Fuß für Österreich.

Politische Partizipation

Vergleichsweise gut schneidet die Republik weiterhin in Sachen politischer Partizipation ab, auch wenn Platz 19 eine Verschlechterung um einen Platz bedeutet. Stillstand herrscht diesbezüglich allerdings an der Staatsspitze: Ein weibliches Staatsoberhaupt gab es in den vergangenen 50 Jahren noch nie. Dafür nutzen immerhin 77 Prozent der Frauen Internet.

Was die Gesamtbetrachtung betrifft: Auch global gesehen geht die Verringerung geschlechtsspezifischer Unterschiede nur langsam voran. Doch immerhin: Von 110 Ländern, die seit Anbeginn dabei waren, haben sich 86 Prozent verbessert, beim Rest hat sich die Kluft dafür sogar noch vergrößert. (rebu/roda, derStandard.at, 24.10.2013)

Hier geht es zum Global Gender Report 2013 (PDF).

  • Bild nicht mehr verfügbar

    In Trippelschritten geht es in Österreich bei der Gleichstellung der Geschlechter voran.

Share if you care.