Orschloch im Landtag

20. Oktober 2013, 11:36
88 Postings

Die burgenländische SPÖ beschwert sich bitterlich über eine grüne Injurien

Michel Reimon, streitbarer grüner Landtagsabgeordneter in Eisenstadt mit starker Ambition Richtung Brüssel, hat also Orschloch gesagt. Im burgenländischen Hohen Haus, zwischenrufend, Richtung SPÖ. Reimon versichert, "rechte Orschlochpolitik" gesagt, die SPÖ, "rechtes Orschloch" und "rechte Orschlochpartie" gehört zu haben. ("Rechts" ist also unbestritten.)

Im roten Lager Pannoniens ist jetzt natürlich das echauffierende Hände-über-dem-Kopf-Zusammenschlagen groß, Klubobmann Christian Illedits und Landesgeschäftsführer Robert Hergovich haben sich am Samstag sogar in einem offenen, empörungs- und betroffenheitstriefenden Brief an Eva Glawischnig gewandt, als wäre sie die Vorgesetzte des Reimon.

Dabei konnten die beiden Herren nicht anders, als der Frau Bundessprecherin gleich eine ganze Entgleisungslitanei zu hinterbringen: "Märchen-Vorlesen als Redebeitrag" zum Beispiel, ja einmal sogar "Zuknallen der Landtags-Tür".

Der offene Brief der zwei pannonischen Roten hätte eine feine ironische Volte sein können, ein souveräner Nachschlag zum grünen Wahlkampf, in dem Glawischnig sich ja in mehreren Filmchen ausdrücklich als zeigefingerschwingende Kindergartentante dargestellt hat. Aber statt den Michel Reimon solcherart aufs grüne Spiralfederhutschpferd zu setzen ("Michel, Orschloch sagt man aber wirklich nicht!"), haben sie sich bloß aufgepudelt. Und so lässt sich mit Händen das Eigentliche greifen: vom Zusammenhang des Orschloch-Sagers abzulenken, der oppositionellen Debattenverweigerung im vorwöchigen Budgetlandtag, der ja tatsächlich eine reine Abnickungs-Veranstaltung war.

Schad drum eigentlich. Eine verpasste Gelegenheit, den Grünen deren eigenes verbales Etepetete - das sie zuweilen einhertragen wie den Arbeitsauftrag einer Sittsamkeitskommission – zurückzuschicken. Stattdessen überlegt die SPÖ "strengere Maßnahmen" als den eh schon und sehr zurecht erteilten Ordnungsruf.

Die Hoffnung, dass wenigstens das in Ironie getränkt wäre, stirbt unter uns Schönfärbern zuletzt. (Wolfgang Weisgram, derStandard.at, 20.10.2013)

Share if you care.