Kritik an Wohnbauplänen im Wiener Donaufeld

14. Oktober 2013, 18:34
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Bürgerplattform will Start des Gebäudebaus in Floridsdorf mit Realisierung eines Grünareals verknüpfen

Wien - Auf den Äckern und Wiesen im sogenannten Donaufeld im Wiener Bezirk Floridsdorf werden in den kommenden Jahren 6000 neue Wohnungen entstehen. Dort, wo noch Gemüse wie Kohl, Kraut, Salat, Zwiebel und Karotten sowie Getreide innerhalb der Stadtgrenzen im Nordosten Wiens wachsen, soll sich laut den Stadtplanern eines der neuen Grätzeln entwickeln. Wien ist eine der am stärksten wachsenden Städte Europas, insgesamt sollen in sieben Stadtteilen in den nächsten 15 Jahren Wohnungen für 33.000 Menschen gebaut werden.

In Donaufeld sollen in einer ersten Tranche 2000 Wohnungen in der Nähe der Dückegasse entstehen, wo die Stadt Wien bereits die Grundstücke besitzt. 2018 könnten dort die ersten Einheiten stehen. Der geplante Grünzug, ein natürlicher Erholungsraum für die Bewohner im Ausmaß von 14 Hektar, soll erhalten bleiben. Die konkrete Gestaltung ist noch nicht geklärt. "Mit dem Wohnbau soll aber erst begonnen werden dürfen, wenn die Realisierung des Grünzugs beginnt", kritisiert Anrainer Heinz Berger von der Plattform "Bürgerprotest".

Vergangene Woche wurde den Donaufeldern das neue Leitbild präsentiert, die Veranstaltung war gut besucht. "Der Stadtentwicklung kann man sich nicht entziehen", sagt Berger. Aber einige Bürger seien sehr verunsichert worden. "Es sollen schon Gründe, die für das Grünareal vorgesehen waren, von Wohnbauträgern gekauft worden sein. Und da kann man sich ausmalen, wohin das führen wird." An einer Internetpetition, die den Baubeginn an die Realisierung des Grünzugs mit Bürgerbeteiligung knüpft, wird gerade gearbeitet. Berger: "Es wird Proteste geben."

Floridsdorfs Bezirksvorsteher Heinz Lehner (SP) bestätigte im Gespräch mit dem Standard hingegen, dass die natürliche Grünfläche erhalten und ausgestaltet wird. Ob ein Verbindungsbach vom Marchfeldkanal bis zur Alten Donau umgesetzt wird, konnte er aber noch nicht sagen. "Wir konnten Menschen beruhigen, die nicht direkt von der Verbauung betroffen sind", sagte Lehner. "Manche, die sich mit ihren Wohnungen im Grünen betroffen fühlen, wurden verunsichert. Der persönliche Vorteil war vielen wichtiger als das Allgemeinwohl. Dass aber Wien Wohnungen braucht, ist unbestreitbar."

Wie die weiteren zu entwickelnden neuen Stadtteile in Wien soll laut Plänen von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) und SP-Planungssprecher Gerhard Kubik auch das Donaufeld weitgehend autofrei werden. "Das wird sich noch zeigen", sagt Bezirksvorsteher Lehner, der nur ein Durchfahrungsverbot unterstützt. "Keiner will Autoverkehr vor seiner Haustür, aber jeder besitzt ein Auto. Es ist Teil der Gesellschaft." (David Krutzler, DER STANDARD, 15.10.2013)

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