Mauthausen-Gedenken vor verschlossenen Türen

12. Oktober 2013, 11:00
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Um rund 1,7 Millionen Euro wurde die Gedenkstätte Mauthausen neu gestaltet. Unverändert ist der Personalschlüssel - was jetzt zu Engpässen und für Besucher überraschenden "Sperrtagen " führt.

Linz - Auf der Homepage der KZ-Gedenkstätte Mauthausen ist die Besucherwelt so weit noch in Ordnung: Die angeführten Öffnungszeiten versprechen einen Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers an sieben Wochentagen. Doch die Realität ist eine andere. Zwar feiert man vonseiten der Verantwortlichen im Innenministerium national und international die im Mai neu eröffneten Ausstellungen in der Gedenkstätte - der Öffentlichkeit bleibt aber mitunter ein Blick darauf verwehrt. Es mehren sich in jüngster Zeit nämlich Beschwerden von Besuchern, die plötzlich am Ort des Gedenkens vor verschlossenen Türen standen.

"Zustand untragbar"

So war etwa am vergangenen Sonntag nicht nur der Buchshop - unter anderem liegt dort Info-Material in mehreren Sprachen auf -, sondern auch das Besucherzentrum und das Ausstellungsgebäude ganztägig geschlossen. "Die Anmeldung an der Kassa erfolgte noch ohne Schwierigkeiten. Im ehemaligen Lagerbereich erfuhr unsere Gruppe aber dann, dass die Ausstellungen und die Gedenkräume aufgrund von Personalmangel geschlossen sind", erzählt ein verärgerter Besucher, der anonym bleiben will.

In einer dem STANDARD vorliegenden Beschwerde-Mail, macht eine weitere Besuchergruppe aus Wien ihrem Ärger Luft: "Wir wollten sehr gerne den neuen Gedenkraum sehen, weil wir davon in Zeitungen und Fernsehberichten gehört haben. Doch es war alles zu - einige von uns waren sehr wütend. So etwas darf hier nicht passieren, das muss bis an den Bundespräsidenten herangetragen werden. Dieser Zustand ist für Besucher, die mehr als nur einen Flyer lesen wollen, untragbar."

Und offensichtlich dürfte der sonntägliche Sperrtag aus Personalgründen kein Einzelfall gewesen sein. Die Situation war auch am 1. Oktober für Besucher entsprechend unangenehm: Buchshop, Besucherzentrum und auch die dort befindlichen Toiletten waren geschlossen. Entsprechende schriftliche Hinweise fehlten. Der Ärger war, laut Zeugen, angesichts der fehlenden Möglichkeit, englischsprachige Fachliteratur zu erwerben, vor allem unter den ausländischen Gästen groß.

Tatsächlich dürfte es, wie der Standard aus gewöhnlich gut informierten Kreisen erfuhr, ein latentes Personalproblem geben - welches sich durch die hochgelobte Neugestaltung der Gedenkstätte deutlich verschärft hat.

Zivi-Verbot

Das museale Konzept sieht in den Schauräumen - bedingt vor allem durch "Erinnerungsstücke" - nun auch eine permanente Aufsicht zu Öffnungszeiten vor. Diese muss derzeit ausschließlich von den wenigen hauptamtlichen Mitarbeitern bestritten werden. Bei Personalknappheit bleibt daher die Museumstür zu.

Beim zuständigen Innenministerium kennt man die Problematik. "Durch das neue Ausstellungskonzept ist die Arbeitsbelastung für die Mitarbeiter größer geworden. Außerdem ist umfassenderes Fachwissen erforderlich, sodass die Aufgaben nicht durch Zivildiener abgedeckt werden können", erläutert der stellvertretende Abteilungsleiter Jochen Wollner. Im Ministerium bekennt man sich aber nur zu einem Schließtag. Wollner: "Wir bedauern, dass die Gedenkstätte vergangenes Wochenende aufgrund von Krankheitsfällen geschlossen bleiben musste. Möchten aber betonen, dass dies bisher noch nie vorgekommen ist." Man werde aus diesem Vorfall lernen und "versuchen, einen Personalengpass künftig zu vermeiden". (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 12./13.10.2013)

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    Jährlich besuchen rund 200.000 Menschen die Gedenkstätte Mauthausen.

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