Tanzimpulse eines Troubleshooters

4. August 2003, 20:35
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Kopf des Tages: Karl Regensburger prägt seit 1998 die Institution ImPulsTanz

Wien - ImPulsTanz ist eines der gewichtigsten Tanzfestivals in Europa. Der Mann, der in dieser Institution, die seit 1988 durchschnittlich vier Wochen lang den Wiener Kultursommer prägt, die Fäden zieht, heißt Karl Regensburger. Der 48-Jährige hat sich sein Betriebswirtschaftsstudium mit einem Job als Hotel-Nachtportier erarbeitet, das Magisterium absolviert, eine Dissertation begonnen. Als er von der Arbeit im Hotel genug hatte, heuerte er Anfang der 80er als Manager beim damaligen Tanzforum Wien an.

Der noch jungen Einrichtung fehlte es an Dynamik, und Regensburger begann, interessante Tanzlehrer einzuladen. Zufällig lernte er den afrobrasilianischen Tänzer Ismael Ivo kennen, der frischen Wind ins Haus brachte. Regensburger einigte sich 1983 mit Erwin Piplits, dass die Künstler und Lehrer des Tanzforums bei einer Tanzserie im Serapionstheater teilnehmen würden. Ivos Stück war ein Bombenerfolg, das Gedränge an der Kasse so heftig, dass deren Fenster eingedrückt wurde. Daraufhin organisierte Regensburger Aufführungen an der Berliner Schaubühne. Auch hier erwies sich Ivo als Zuschauermagnet.

Zurück in Wien, organisierten die beiden Workshops und Tourneen, erst einmal ganz ohne Subventionen. Finanzielle Schwankungen wurden durch Tournee-Einnahmen ausgeglichen: fünf Wochen vor allabendlich 1000 Zuschauern am Kampnagel in Hamburg, das Peter Zadek Regensburger zur Verfügung gestellt hatte, brachten guten Gewinn. 1985 kam Andrée Valentin zum Team, 1988 konnte auf Einladung von George Tabori im damaligen Theater Der Kreis die erste ImPulsTanz-Reihe organisiert werden. Zwölf Vorstellungen waren geplant, 18 fanden statt, um den Publikumsandrang einigermaßen zu bewältigen.

Das führte zu Irritation bei den Wiener Festwochen, die seit 1982 ein biennales Tanzfestival durchführten. Dennoch konnte Regensburger sein Festival behaupten. Die Biennale fand 1996 zum letzten Mal statt. Regensburger ist ein zäher Verhandler und talentierter Troubleshooter. Als Ismael Ivo 1987 einen schweren Autounfall hatte und sein Bein genagelt werden sollte, was seine Karriere beendet hätte, adoptierte er den Tänzer kurzerhand, um die Ärzte zu einer adäquaten Behandlung zu zwingen.

Sein Festival gestaltet er - seit Mitte der 90er gemeinsam mit Guido Reimitz - als Kräftespiel zwischen Etabliertem und Experiment: So war ImPulsTanz zwar kaum Labor für Ultraneues, ist aber auch nie zur Kommerzschleuder verkommen. Regensburger, dem nachgesagt wird, er habe das Tanzquartier Wien zuweilen mit verliebtem Blick betrachtet, möchte künftig auch außerhalb der Festivalzeit in Wien Tanzperformances veranstalten. Die Szene kann mit ihm rechnen. (Helmut Ploebst/DER STANDARD; Printausgabe, 05.08.2003)

  • Karl Regensburger
    grafik: der standard

    Karl Regensburger

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