Ruanda: Hundert Verurteilungen wegen Beteiligung an Völkermord

5. August 2003, 19:56
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11 Todesurteile verkündet

Kigali - Ein Gericht in Ruanda hat 100 Angeklagte wegen Beteiligung am Völkermord von 1994 verurteilt. Im größten Gruppenprozess nach dem Genozid in dem ostafrikanischen Land sprach das Richtergremium elf Todesurteile aus und verurteilte 71 weitere Angeklagte zu lebenslanger Haft, wie die Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte. 18 Angeklagte erhielten Haftstrafen zwischen einem Jahr und 25 Jahren, 39 wurden freigesprochen.

Während des zweijährigen Prozesses tagte das Gericht in einem provisorischen Sitzungssaal in der Ortschaft Mogusa, wo die Gräueltaten verübt wurden, wegen der sich die insgesamt 139 Angeklagten verantworten mussten. Dem Völkermord vor neun Jahren fielen mindestens eine halbe Million Ruander zum Opfer, die meisten von ihnen waren Angehörige des Volkes der Tutsi.

Bisher sind rund 400 Todesurteile gegen Anführer und Drahtzieher des Massenmords ausgesprochen worden. 26 wurden bislang vollstreckt. In den überfüllten Gefängnissen Ruandas warten noch 120.000 Beschuldigte auf ihren Prozess. Gravierende Vorwürfe werden auch vor dem UN-Tribunal für Ruanda im Nachbarland Tansania verhandelt.(APA/AP)

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