Vielversprechende therapeutische Option bei Peritonealkarzinose

9. Oktober 2013, 09:57
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Bauchraum wird mit erwärmter Chemotherapie-Lösung gespült - Verfahren nur für bestimmte Patientengruppe geeignet

Bauchfellkrebs hat eine schlechte Prognose. HIPEC, eine Therapieform, die seit zwei Jahren an der Med-Uni Wien angewandt wird, ist für eine bestimmte Patientengruppe eine vielversprechende Behandlungsoption. Anlässlich des Kongresses der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgische Onkologie (ACO-ASSO) wurde nun eine nationale Leitlinie für die Auswahl passender Patienten präsentiert.

In Österreich sind jährlich circa 2000 Patienten von einer Peritonealkarzinose (Bauchfellkrebs) betroffen. In der Regel handelt es sich dabei um Absiedelungen anderer bösartiger Tumore. Die Behandlung ist schwierig, häufig können die Betroffenen nur palliativ behandelt werden. 

Spülung des Bauchraumes

HIPEC (Hyperthermic Intraperitoneal Chemotherapy) ist ein Verfahren, das bei der Periatonealkarzinose Erfolg versprechende Ergebnisse zeigt. Nach der kompletten chirurgischen Entfernung aller Tumorherde wird der Bauchraum während der Operation mit einer auf 42 Grad Celsius erwärmten Chemotherapie-Lösung gespült. Allerdings spricht nur eine bestimmte Gruppe von Betroffenen auf diese Methode an.

"Das Verfahren ist nur bei Patienten, deren Erkrankung bestimmte Merkmale aufweist, viel versprechend. Darüber hinaus sind nicht alle Spitäler in der Lage, eine HIPEC durchzuführen", sagt Thomas Bachleitner-Hofmann, Kongresspräsident und Chirurg an der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien. Mit der nun präsentierten Leitlinie ist es nun möglich, Patienten zielgenau zu identifizieren. Wesentliche Kriterien, die in der Leitlinie definiert werden, sind zum Beispiel das Ausmaß des Tumorbefalls im Bauchraum, das Alter der Patienten, ihr körperlicher Allgemeinzustand und ob eine komplette Entfernung aller Tumorherde möglich ist.

Interdisziplinäres Konzept

Experten betrachten die HIPEC als Baustein in einem komplexen Therapiekonzept. "Das partnerschaftliche Zusammenspiel von Chirurgie und Onkologie ist entscheidend. Deshalb ist es auch so wichtig, die Patienten an einem chirurgisch-onkologischen Zentrum im Tumorboard vorzustellen und ein gemeinsames Therapiekonzept zu entwickeln, " sagt Bachleitner-Hofmann.

Darüber hinaus sieht der Chirurg Bedarf, vermehrt interdisziplinäre Studien zu diesem Thema anzubieten. Erste Schritte wurden bereits unternommen: Gemeinsam mit Alexander Reinthaller, dem stellvertretenden Leiter der Abteilung für Allgemeine Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien wurde eine Studie für die Anwendung der HIPEC in der interdisziplinären Therapie des Ovarialkarzinoms konzipiert, die demnächst starten soll. (red, derStandard.at, 9.10.2013)

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