Milchpreis in Österreich wohl vor Anstieg

7. Oktober 2013, 14:11
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China rührt Markt um: Vor allem deutsche Milch fließt als Pulver in die Volksrepublik ab, die Preise in Europa steigen schon

Wien - Die hohe internationale Nachfrage - vor allem aus China - rührt derzeit auch den österreichischen Milchmarkt um. Zusätzlich liefern die heimischen Bauern den Molkereien etwas weniger Milch als noch vor einem Jahr - vor allem wegen der Trockenheit im Sommer. Zudem verstärken vor allem oberösterreichische Bauern Lieferungen nach Bayern, weil dort der Auszahlungspreis derzeit um rund zwei Cent höher liegt als hierzulande.

"Weil es in der Vergangenheit hierzulande nicht gelungen ist, den Auszahlungspreis an die Bauern rechtzeitig anzupassen, reagieren derzeit manche Bauern", bestätigte Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung der Österreichischen Milchverarbeiter (VÖM), einen Bericht der "Oberösterreichischen Nachrichten" vom Wochenende.

Appell an Arbeiterkammer und Handel

Österreich würde bei Milchprodukten vom Weltmarkt mitbeherrscht. Zwar spielten Exporte heimischer Molkereien nach China keine große Rolle, so der VÖM-Präsident. Aber: Deutsche Großbetriebe würden viel Milchpulver Richtung China exportieren, was den europäischen Markt entlaste, so Petschar - es gibt also weniger Milch, was zu steigenden Preisen führt. Daher sei es zuletzt auch zu Preissteigerungen in Deutschland für Milchprodukte gekommen, "die es wohl auch bei uns wird geben müssen", so Petschar.

"Wir können aber nur die Preise Richtung Bauern und Handel besprechen - was der Handel Richtung Konsumenten macht, können wir nicht beeinflussen. Wir appellieren an die Arbeiterkammer und den Handel", sagte Petschar.

Die Arbeiterkammer kritisierte Petschar, auch Chef der Kärntnermilch, für ihre Preisvergleiche mit Deutschland, die "nicht passen" würden. Er erinnerte an die heimischen Qualitätskriterien, die über jenen in Deutschland oder jenen in der EU liegen wie Parameter für die Keim- und Zellzahl in der Milch. Der hohe Qualitätsstandard müsse hierzulande gehalten werden.

Knapper Rohstoff

Laut "OÖN" haben 121 Bauern aus Oberösterreich zum 1. Oktober den Liefervertrag mit der Berglandmilch gekündigt. Wie es bereits rund 700 andere oberösterreichische Milchbauern jetzt schon tun, wollen sie ab 1. April 2015 ihre Milch an bayerische Molkereien liefern. Vor allem in Deutschland ist der Rohstoff wegen Exporten nach China knapp, die gutes Geld bringen.

Derzeit fließen laut der Zeitung schon 80 Mio. Liter Rohmilch aus Oberösterreich nach Bayern ab, kommendes Jahr würden es 105 Mio. werden.

Ab 2015, wenn die Milch-Quotenregelung in der EU fällt, könnte die Anlieferung in Österreich bis 2020 aber um zehn bis zwanzig Prozent steigen, glaubt Petschar, "wenn andere Faktoren mitspielen". Entscheidende Faktoren seien der Auszahlungspreis, der gut sein müsse, aber auch die topografisch begrenzte Fläche in den alpinen Gebieten in Österreich, die nicht beliebig viel Futter für die Milchkühe bieten könnten. "Es ist alleine wegen der Geografie unmöglich, dass die Milchmenge in Österreich verdoppelt werden könnte." Die Milchmenge ganz Österreichs liegt derzeit bei 2,9 Milliarden Kilogramm, so Petschar.

Die Kärntnermilch bezahlt derzeit laut Petschar brutto 43 Cent je Kilo Milch an die Bauern, im letzten Quartal heuer würde auf 46 Cent erhöht werden. Damit liege man dann auf Höhe des Auszahlungspreises, den die Bauern zum Zeitpunkt des EU-Beitrittes 1995 erhalten hatten. (APA, 7.10.2013)

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    Milch könnte in Österreich teurer werden.

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