Wenig Spielraum für Steigerung der Kaufkraft

7. Oktober 2013, 18:21
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Eine Woche haben Metaller und Maschinenbauer Zeit, um über die geforderten 3,4 Prozent Lohnerhöhung zu beraten

Wien - Wiewohl Maschinenbauer, Gießereien, Fahrzeugindustrie, Gas-/Wärmeerzeuger und Eisen-/Stahlerzeuger nicht mehr in der traditionellen Herbstlohnrunde der Metaller vereint sind: Produktions- und Privatangestelltengewerkschaft haben am Montag wie angekündigt Prozent-Forderungen für alle sechs Metallbranchen veröffentlicht. Und die sind erwartungsgemäß abgekoppelt von Branchenspezialitäten und Auslastung gleichlautend: um 3,4 Prozent höhere Löhne und Gehälter für die 180.000 Metallarbeiter und Industrieangestellten, mindestens aber um hundert Euro mehr.

Damit haben sich die Hardliner und Scharfmacher unter den gewerkschaftlichen Lohnverhandlern nicht durchgesetzt. Sie hatten in Anlehnung an bereits erfolgte Gagenerhöhungen für Führungskräfte in Industriekonzernen (im Schnitt um 4,5 Prozent) auf eine höherprozentige Forderung gedrängt. Auch Machtdemonstrationen, vor denen der Fachverband Maschinenbau/Metallwaren gewarnt hatte, blieben - abgesehen von Betriebsräteversammlungen - bis dato aus.

Wirtschaftsforscher konzedieren dem Forderungskatalog durchaus Realitätssinn angesichts der sehr labilen Wirtschaftssituation und ersten Anzeichen eines Mini-Aufschwungs, wie er in der Herbstprognose von Wifo und IHS vorausgesagt wird.

"Die Rahmenbedingungen sprechen für eine gemäßigte Forderung", sagt Wirtschaftsforscher Ulrich Schuh vom Institut Eco Austria auf Standard-Anfrage zur Metaller-Forderung. "Die Forderung von 3,4 Prozent ist nicht absurd hoch, sondern realistisch."

Da die Inflation sinke und weiter sinken werde, würden die Lohnzuwächse quasi automatisch steigen. Sinkende Inflation komme freilich auch den Arbeitgebern entgegen. Zumal die Lohnzuwächse in den vergangenen zwei Jahren ohnhin an der oberen Grenze gelegen seien, während die Produktivität negativ war. Der große Aufschwung sei aber nicht in Sicht und die Arbeitslosigkeit steigt relativ stark.

Während Maschinenbau-Obmann Christian Knill und Chefverhandler Veit Schmid-Schmidtsfelden eine Beurteilung der Forderung am Montag schuldig blieben, nannte sie GPA-Vizevorsitzender Karl Proyer naturgemäß "gerechtfertigt" und "nicht überzogen". Die Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate liege bei 2,4 Prozent, die prognostizierte Output-Steigerung pro Beschäftigten bei einem Prozent, macht zusammen 3,4 Prozent. Differenziert beurteilt Eco-Austria-Chef Schuh die 100 Euro Mindesterhöhung, die Niedrigverdienern helfen soll: "Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, nützt auch ein höheres Einkommen nichts." Steigende Löhne wirkten prinzipiell dämpfend auf die Beschäftigung. Hinzu kämen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Österreich, die derzeit schlicht "nicht rosig sind". Als kleine offene Volkswirtschaft müsse man preislich wettbewerbsfähig bleiben, um über den Export punkten zu können.

Gleiches gelte für das Kaufkraft-Argument. "Es wäre naiv zu glauben, die Kaufkraft durch höhere Löhne zu steigern", warnt Schuh.

Ein rotes Tuch ist den Gewerkschaftern die von den Arbeitgebern geforderte Ausweitung der Normalarbeitszeit auf zwölf Stunden. Damit würden Überstundenzuschläge entfallen, was inakzeptabel sei", so Proge-Vorsitzender Rainer Wimmer am Montag bei der Betriebsrätekonferenz in Vösendorf. Nun beginnt die Mobilisierung in den Betrieben. Am 15. Oktober verhandeln die Maschinenbauer zum dritten Mal. "Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass am 15. Einsicht einkehrt für eine sozialpartnerschaftliche Vorgangsweise". Danach würde über weiteres Vorgehen beraten - "Maßnahmen nicht ausgeschlossen." (ung, DER STANDARD, 8.10.2013)

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    Geballte Ladung Verhandlungsmacht demonstrierte die Gewerkschaft rund um Metallerchef Rainer Wimmer (2. v. li.) und Karl Proyer von der GPA (rechts).

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