Rio de Janeiro: Polizei soll 22 Menschen gefoltert haben

5. Oktober 2013, 22:18
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Richterin: Favela-Bewohner zu Tode gequält

Rio de Janeiro - Die brasilianische Polizei steht unter Folterverdacht: Sie soll in Rio de Janeiro den Bewohner einer Elendssiedlung zu Tode gequält und 22 weitere mit Elektroschocks und heißem Wachs traktiert haben. Die Ermittlungsrichterin Ellen Souto bekräftigte jetzt den vermutlichen Foltertod des seit Juli vermissten Maurers Amarildo de Souza in Rocinha, der mit 70.000 Einwohnern größten Favela der Stadt. Außerdem berichtete sie von 22 weiteren Folterfällen.

Für die Verbrechen verantwortlich gemacht wird Rios Polizeieinheit UPP. Sie wurde im Kampf gegen Verbrechen und Drogenhandel in den Favelas gegründet. Rio trägt 2014 die Fußball-Weltmeisterschaft und 2016 die Olympischen Sommerspiele aus.

TV-Kameras filmten de Souza, dem Verwicklung in Drogengeschäfte zur Last gelegt wurden, als Polizisten ihn in ein UPP-Fahrzeug schoben. Nach seinem Verschwinden verlangten hunderte Menschen auf Demonstrationen vergeblich Informationen über seinen Verbleib. Von de Souza fehlt bis heute jede Spur.

Einer der zehn im Zusammenhang mit dem Fall festgenommenen Polizisten ist der Kommandeur der UPP-Einheit in Rocinha. Für Sonntag war ein UPP-Einsatz in einer Favela im Norden von Rio vorgesehen, wo vor wenigen Tagen zwei mutmaßliche Rauschgifthändler bei Zusammenstößen mit der Polizei getötet wurden. (APA, 5.10.2013)

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