Rechnungshof kritisiert unklare Vorgaben bei Studieneingangsphase

4. Oktober 2013, 13:31
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Das Gesetz eröffne bei der inhaltlichen Zielsetzung weiten Interpretationsspielraum, so der Rechnungshof - Er fordert eine Evaluierung

Wien - Seit dem Wintersemester 2011/12 gibt es in Fächern ohne Zugangsbeschränkung die Studieneingangs- und Orientierungsphase. Diese soll im ersten Semester einen Überblick über Inhalte des Studiums bieten, damit Studenten ihre Wahl hinterfragen können. Wegen unklarer Vorgaben durch das Wissenschaftsministerium und des Zeitdrucks bei der Einführung werde die Eingangsphase von den Unis aber sehr unterschiedlich und teils nicht der Vorgabe entsprechend umgesetzt, kritisiert der Rechnungshof in einem am Freitag veröffentlichten Bericht.

Die Frist von nur drei Monaten zur Umsetzung der Studieneingangsphase war laut Rechnungshof für die Unis zu kurz für die Schaffung inhaltlich neuer Lehrveranstaltungen, außerdem eröffne das Gesetz bei der inhaltliche Zielsetzung weiten Interpretationsspielraum. Die Folge: Es wurden etwa an den Unis Graz und Innsbruck einfach bestehende Lehrveranstaltungen zu solchen der Studieneingangsphase erklärt.

Anforderungen sehr unterschiedlich

Die Anforderungen der Studieneingangsphase wiederum sind je nach Unis extrem unterschiedlich: Sie liegen zwischen 0,5 und 30 ECTS (Letzteres entspricht dem Arbeitsaufwand von einem Semester Vollstudium). Dementsprechend schwankt auch die Erfolgsquote: Zwischen 29 und 65 Prozent der Studenten haben die Studieneingangsphase innerhalb eines Semesters abgeschlossen.

Außerdem wurde den Studenten an manchen Unis ermöglicht, weitere Lehrveranstaltungen zu besuchen, obwohl sie das eigentlich dem Prinzip nach erst nach der erfolgreichen Absolvierung der Studieneingangsphase dürften. Das Ministerium solle festlegen, ob beziehungsweise in welchem Umfang zusätzliche Lehrveranstaltungen vor Abschluss der Studieneingangsphase absolviert werden dürfen, fordert der Rechnungshof.

Unklar ist für den Rechnungshof auch, wieso die Studieneingangsphase-Lehrveranstaltung laut Gesetz mindestens ein halbes Semester, die gesamte Studieneingangsphase aber ein Semester dauern muss. Die Prüfer wissen auch nicht, wie die Unis die gesetzliche Vorgabe umsetzen sollen, pro Semester für eine Studieneingangsphase-Lehrveranstaltung zwei Prüfungen mit je zwei Terminen abzuhalten.

Rechnungshof fordert Empfehlungen für Unis

Der Rechnungshof forderte das Wissenschaftsministerium auf, die Studieneingangsphase zu evaluieren und den Unis zumindest Empfehlungen zu geben, wie diese inhaltlich auszusehen hat. Außerdem soll erhoben werden, wie sinnvoll die Beschränkung der Prüfungsantritte ist. In der Studieneingangsphase war anfangs nur eine Wiederholung möglich, mittlerweile sind es zwei.

Ministerium verweist auf Adaptierungen

Das Wissenschaftsministerium verwies in einer Reaktion auf bereits erfolgte Adaptierungen der Studieneingangsphase. So sind Studenten, die bei der Studieneingangsphase-Prüfung dreimal durchfallen, nicht mehr lebenslang für das betreffende Fach gesperrt. An einer Evaluierung der Auswirkungen der Studieneingangsphase werde bereits mit den Unis gearbeitet, bis spätestens Dezember 2015 soll dem Nationalrat ein Bericht vorgelegt werden. Die Empfehlungen des Rechnungshofs sollen außerdem in die Begleitgespräche mit den Unis einfließen. Dass die Maturantenberatung doch nicht wie ursprünglich geplant verpflichtend umgesetzt wird, verteidigt das Ministerium: Das sei "aus nachvollziehbaren Gründen" geschehen, das Angebot aber ausgebaut worden.

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) hat sich der Kritik des Rechnungshofes in einer Aussendung angeschlossen. "Es braucht eine echte Orientierungsphase, anstatt das gescheiterte Experiment Studieneingangsphase weiterhin am Rücken der Studierenden auszutragen", so Generalsekretär Bernhard Lahner. Die ÖH schlägt eine Orientierungssemester für alle Studierenden vor dem regulären Studium vor. (APA, 4.10.2013)

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