Zwei US-Generäle nach Taliban-Angriff in Afghanistan entlassen

1. Oktober 2013, 12:36
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Kommandant wirft Generalmajoren Nachlässigkeit vor

Washington/Brüssel/Kabul - In einem ungewöhnlichen Schritt hat der Kommandant der US-Marineinfanteristen zwei Generäle im Zusammenhang mit einem Taliban-Angriff in Afghanistan entlassen. Wie die Kommandozentrale am Montag mitteilte, ergab eine Untersuchung, dass die beiden Generalmajore Charles Gurganus und Gregg Sturdevant keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen hatten, um den NATO-Stützpunkt Camp Bastion im Süden Afghanistans vor Angriffen zu schützen. Es waren die ersten Entlassungen von US-Generälen wegen Fehlern auf dem Schlachtfeld seit dem Vietnam-Krieg.

Bei einem Taliban-Angriff im September vergangenen Jahres waren in Camp Bastion zwei Marineinfanteristen getötet und acht weitere verletzt worden. Außerdem wurden sechs Kampfjets zerstört. Kommandant James Amos erklärte nun, er sei sich der Belastungen der Marineinfanteristen angesichts des geplanten Abzugs aller ausländischen Kampftruppen aus Afghanistan bewusst. Er müsse aber "den zeitlosen Grundsätzen treu bleiben", die für einen Kommandant gälten, nämlich "Verantwortung und Verantwortlichkeit".

Amos forderte die beiden Generäle auf, ihren Rücktritt einzureichen. Außerdem solle Gurganus' Nominierung für eine Beförderung zum Generalleutnant zurückgenommen werden und Sturdevant einen schriftlichen Verweis erhalten. Amos zufolge hatten Gurganus, der als Chef des Regionalkommandos Südwest das Gesamtkommando für Camp Bastion hatte, und Sturdevant, der die Kampfflieger der Marineinfanteristen dort beaufsichtigte, die Gefahrenlage falsch eingeschätzt.

Bei dem Angriff im September 2012 hatten sich 15 Taliban mit Drahtscheren Zugang zu dem Militärstützpunkt verschafft. Ein Wachturm war nicht besetzt, rund um den Stützpunkt hielten Soldaten aus Tonga Wache. Kommandant Amos räumte ein, dass die Aufgaben der beiden Generäle durch eine drastische Truppenreduzierung von 17.000 US-Soldaten im Jahr 2011 auf 7400 zum Zeitpunkt des Angriffs erschwert worden seien. Dennoch hätten sie nach Amos' Auffassung bessere Sicherheitsvorkehrungen treffen können. (APA, 1.10.2013)

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