Forscher erwarten künftig weniger Hochwasser in den Zentralalpen

30. September 2013, 17:55
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Studie zeigt Korrelation zwischen kühlen Sommern und Überschwemmungen im Alpenraum auf

Bern - Ein Schweizer Forscherteam hat anhand von Seesedimenten das Vorkommen von Überschwemmungen im Alpenraum in den letzten 2.500 Jahre lückenlos zurückverfolgt. Den Resultaten zufolge treten Hochwasser vor allem in kühlen Sommern auf, berichteten sie im Fachblatt "Scientific Reports".

Dies lege den Schluss nahe, dass die Häufigkeit von Überschwemmungen in den Zentralalpen künftig abnehmen könnte, heißt es in der Studie. Grund dafür könnte die Verlagerung der Hochdruckzone über dem Nordatlantik sein.

Sediment-Bohrkerne als Datenquelle

"Überschwemmungen stellen für die Bevölkerung und die Infrastruktur des Alpenbogens die größte Naturgefahr dar", schreiben die Autoren. "Sollten diese mit dem Klimawandel häufiger werden, werden die Bedrohungen für Menschen und Infrastruktur noch größer". In welcher Häufigkeit solche extremen Wetterereignisse in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich auftreten werden, wenn aktuellen Klimaszenarien zufolge mit wärmeren Sommern und einem Rückgang des Gesamtniederschlags zu rechnen ist, ist die Ausgangsfrage der Studie. Bisher fehlten Hochwasser-Daten, die weiter als wenige Jahrhunderte zurückreichen.

Klimatisches Gesamtbild der Zentralalpen

Für ihre Studie haben Forscher um Flavio Anselmetti von der Wasserforschungsanstalt Eawag Sediment-Bohrkerne aus zehn Seen im nördlichen Alpenraum entnommen. In diesen haben sie die für Überschwemmungsphasen charakteristischen Ablagerungen analysiert und datiert.

"Die Seen liegen über ein großes Gebiet verteilt und auf unterschiedlichen Höhenstufen. Dadurch können wir den Einfluss von lokalen Besonderheiten und Ereignissen verringern und erhalten ein klimatisches Gesamtbild der Zentralalpen", berichtete Lukas Glur, Erstautor der Studie. Die Sedimente zeigen 13 Zeiträume mit häufigen Überschwemmungen auf, zu deren Intensität die Forscher jedoch nichts aussagen können.

Änderungen der atmosphärischen Zirkulation

Die Sedimentdaten führten die Wissenschafter mit einer Rekonstruktion der Sommertemperaturen in Mitteleuropa über die vergangenen 2.500 Jahre zusammen. Dabei zeigte sich, dass Perioden mit häufigen Überschwemmungen mit kühleren Sommern korrelieren. Die Studienautoren führen dies auf Änderungen der atmosphärischen Zirkulation über dem Nordatlantik zurück: Charakteristisch für warme und trockene Sommer im nördlichen Alpenraum ist demnach eine Nordverlagerung des subtropischen Hochdruckgürtels, wodurch die feuchten Luftmassen nach Nordeuropa gelenkt werden. Wenn im umgekehrten Fall diese Hochdruckzone weniger stark ausgedehnt ist, schlagen die Tiefdruckstörungen eine südlichere Zugbahn ein und treffen auf den Alpennordhang, wo sie erhebliche Niederschläge hervorrufen.

Nach aktuellem Wissensstand dürfte der Klimawandel die Ausdehnung dieser Hochdruckzone begünstigen, schreiben die Autoren. Daher sei generell mit weniger Überschwemmungen in den Zentralalpen zu rechnen. Aussagen über die Intensität einzelner Hochwasser könnten aber auf Basis der Studie nicht gemacht werden. (red/APA, derStandard.at, 30.9.2013)

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