Eine kleine Geschichte der Luftmatratze

3. August 2003, 12:00
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Von assyrischen Tierhäuten bis zum Gummi - "Ich möchte alle meine Betten aufgeblasen und nicht gestopft haben"

Bern - Die Luftmatratze, Standardausrüstung für Camper, war ursprünglich ein Luxusartikel für Aristokraten. Und einen Vorläufer des Gummiboots gab es bereits vor fast 3.000 Jahren. "Ich möchte alle meine Betten aufgeblasen und nicht gestopft haben", heißt es in Ben Jonsons Stück "The Alchemist" aus dem Jahr 1610. Der Wunsch war verständlich - denn gestopft waren Matratzen damals mit organischen Materialien wie Stroh, Laub, Tannennadeln oder Schilf, was sie zu exzellenten Schimmel- und Wanzenburgen machte.

Bis zur Einführung der Sprungfeder und der anorganischen Füllmaterialien versuchte man dem Problem auf vielfältige Art beizukommen. Die Perser bespielsweise kannten schon vor über 3.000 Jahren das Wasserbett - ein Wassersack aus Ziegenleder.

Windbett

Eine andere Variante der wanzenfreien Schlafstatt war das so genannte Windbett, das im 16. Jahrhundert in Frankreich aufkam: eine Luftmatratze aus gewachstem Segeltuch mit Ventilen zum Aufblasen. Die Erfindung des Polsterers Guillaume Dujardin löste zwar das Ungezieferproblem, platzte aber leicht. Das besserte sich im 17. Jahrhundert, als in London Luftmatratzen aus elastischerem Ölzeug hergestellt wurden.

Aufblasbares gab es freilich schon lange vor der Luftmatratze. So soll der assyrische König Ashurnasirpal II - bekannt als grausamer Eroberer und genialer Militärstratege - bereits 880 vor Christus seinen Soldaten Befehl gegeben haben, einen Fluss mit Hilfe von aufblasbaren, gewachsten Tierhäuten zu überqueren.

Auch die ersten aufblasbaren Boote moderner Prägung dienten militärischen Zwecken: 1839 testete der Duke of Wellington das erste aufblasbare Ponton, im Jahr darauf entwarf der Engländer Thomas Hancock aufblasbare Schiffe. Er beschrieb sie später in seinem Buch "The Origin and Progress of India Rubber Manufacture in England".

Mit dem "Rubber", dem Grundmaterial von Luftmatratze und Gummiboot, war es aber vorerst nicht weit her. Zwar hatte der Amerikaner Charles Goodyear 1939 zufällig die Vulkanisation entdeckt und damit aus dem zwischen spröd und klebrig schwankenden Kautschuk elastischen, haltbaren Gummi gemacht. Doch es dauerte noch 30 Jahre, bis man die Segnung des neuen Materials erkannte. Erst der Chirurg Dr. Benjamin Franklin Goodrich konnte die Erfindung unter die Leute bringen: als erstes in Form des Feuerwehrschlauchs aus gummierter Baumwolle. (APA/sda)

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