Skandal um Tod eines Demonstranten in der Türkei

13. September 2013, 11:17
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Justiz versucht zu klären, ob und wie Aufnahmen einer Überwachungskamera gelöscht wurden, die die Misshandlung eines Demonstranten im Juni zeigen

Istanbul/Ankara - In der Türkei geht die Justiz dem Verdacht nach, dass die mutmaßliche Verantwortung von Polizisten für den Tod eines regierungskritischen Demonstranten vertuscht werden sollte. Die Staatsanwaltschaft im westtürkischen Eskisehir wandte sich deshalb nun im Fall des im Juni getöteten Demonstranten Ali Ismail Korkmaz an den Wissenschaftsrat der Regierung, wie türkische Medien am Freitag meldeten. Der Rat soll klären, ob und wie Aufnahmen von Überwachungskameras gelöscht wurden, die tödliche Prügel von Polizisten und Zivilisten für Korkmaz zeigten.

Demonstrant starb nach Misshandlungen

Die Staatsanwaltschaft in Eskisehir verlangt lange Haftstrafen für vier Polizeibeamte und vier Zivilisten, die Korkmaz mit Knüppeln und Fußtritten so schwer misshandelt haben sollen, dass er nach einigen Wochen im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Experten der Militärpolizei waren zu dem Schluss gekommen, dass insgesamt vier Mal versucht wurde, Aufnahmen einer Überwachungskamera zu löschen. Die Fachleute konnten die Aufnahmen aber wieder herstellen, was zur Anklage gegen die acht Beschuldigten führte.

Aufnahmen verschwunden

Zwei der Versuche zur Löschung der Aufnahmen sollen zu einer Zeit stattgefunden haben, in der sich die Bilder bei einem Gutachter befanden; der Gutachter wies die Vorwürfe aber zurück. Die Aufnahmen einer anderen Überwachungskamera sind aus bisher ungeklärten Gründen verschwunden.

Die mutmaßlichen Vertuschungsversuche bestärken die türkische Protestbewegung in ihrem Verdacht, dass Polizisten selbst bei schwersten Straftaten vom Staatsapparat gedeckt werden. Derzeit wird nur gegen relativ wenige Polizisten wegen übertriebener Gewaltanwendung während der schweren Unruhen im Juni ermittelt. Dagegen müssen sich mehrere Dutzend Demonstranten vor Gericht verantworten, unter anderem wegen Terrorvorwürfen. (APA, 13.9.2013)

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