"Heilige" Quellen und Weihwässer in Österreich sind stark verunreinigt

12. September 2013, 10:59
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Forscher der Med-Uni Wien untersuchten 21 "heilige" Quellen und 18 Weihwasserbecken in Wien und Umgebung - fast alle sind bakteriell enorm belastet

Wasser aus "heiligen" Quellen in Österreich ist mit Fäkalien und Nitraten verunreinigt und hat keine Trinkwasser-Qualität. Auch Weihwässer in Kirchen und Spitalskapellen weisen extrem hohe bakterielle Belastungen auf. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie des Instituts für Hygiene und Angewandte Immunologie der Med-Uni Wien.

Hohe Belastung

Die Forscher analysierten dafür die Wasserqualität in 21 "heiligen" Quellen - ähnlich jener der vielbesuchten von Lourdes - in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland sowie 18 Weihwasserbecken in Kirchen und Spitalskapellen in Wien zu unterschiedlichen Jahreszeiten. Das Resultat: Nur 14 Prozent der Wasserproben aus "heiligen" Quellen wiesen keine Belastung mit Fäkalkeimen auf.

Außerdem konnte keine der untersuchten Quellen als Trinkwasserquelle empfohlen werden. In diesen Quellen wurden neben Fäkalindikatoren wie E-coli-Bakterien und Enterokokken - die durch mangelnde Hygiene nach dem Toilettenbesuch ins Wasser gelangten - auch Campylobacter nachgewiesen, die entzündliche Durchfälle auslösen können. Viele der Quellen waren zudem vor allem durch Nitrate aus der Landwirtschaft belastet. 

Keine heilsame Wirkung - im Gegenteil

"Wir müssen daher davor warnen, aus diesen Quellen zu trinken", sagt Mikrobiologe Alexander Kirschner von der Med-Uni Wien. Ratsam wäre es für die zuständigen Gemeinden und Pfarren, Warnschilder aufzustellen und auf die Historie der "heiligen" Quellen hinzuweisen.

Denn die den Quellen zugeschriebene heilsame Wirkung basiere auf der Historie und den hygienischen Gegebenheiten im Mittelalter. "Damals war die Wasserqualität in den Städten generell so schlecht, dass die Menschen deswegen ständig Durchfall- oder andere dadurch ausgelöste Krankheiten hatten. Wenn sie dann im Wald bei einer geschützten, nicht so belasteten Quelle über mehrere Tage Wasser tranken, verschwanden ihre Symptome", so Kirschner. Damals habe man sich dort gesundtrinken können, heute sei es angesichts der exzellenten Trinkwasserqualität genau umgekehrt.

Problem in Spitalskapellen

Das untersuchte Weihwasser war durchwegs extrem bakteriell belastet - in einem Milliliter wurden bis zu 62 Millionen kultivierbare Bakterien gefunden. "Je frequentierter die Kirche, desto mehr Bakterien. Das könnte vor allem in Spitälern ein bis dato unbeachtetes Problem darstellen, da hier viele Personen mit geschwächtem Immunsystem sind", so Kirschner.

Während die Untersuchung der "heiligen" Quellen weltweit erstmals vorgenommen wurde, gibt es für Weihwasser drei frühere Studien, eine davon von spanischen Forschern in Sevilla. Die Ergebnisse sind laut Kirschner sehr ähnlich. 

Bauliche Maßnahmen nötig

Ideen und Lösungsansätze für eine hygienischere Nutzung von Weihwasser und "heiligen" Quellen gibt es bereits: So hat ein italienischer Priester vor einigen Jahren einen Weihwasser-Spender erfunden, der tropfenweise Weihwasser spendet. Frühere Studien haben gezeigt, dass ein höherer Salzgehalt (empfohlen werden 20 Prozent) im ausschließlich in der Osternacht gesegneten Weihwasser die Vermehrung der Bakterien stoppt.

"Als zuverlässiges Desinfektionsverfahren kann die Salzzugabe aber nicht angesehen werden", sagt Kirschner und rät vielmehr zum rechtzeitigen Austausch des Weihwassers in den Kirchen. Im Falle der "heiligen" Quellen wären behördliche Kontrollen der Wasserqualität wünschenswert sowie entsprechende bauliche Maßnahmen, wenn die Quelle wirklich als Trinkwasserquelle genutzt werden soll. (red, derStandard.at, 12.9.2013)

Die Untersuchung

"Holy springs and holy water: underestimated sources of illness?" A. Kirschner, M. Atteneder, A. Schmidhuber, S. Knetsch, A. Farnleitner und R. Sommer. Journal of Water and Health, 10.3/2012.

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    Weihwasser ist in den meisten untersuchten Kirchen und Spitalskapellen stark verunreinigt - in einem Milliliter wurden bis zu 62 Millionen Bakterien gefunden.

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