Türkei: Paketbomben verletzen 17 Polizisten in Ankara

3. August 2003, 13:06
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Bombenexplosionen in Schulungszentrum der Justiz - Linke Gruppe bekennt sich

Ankara - Bei zwei Explosionen in einem Justizgebäude in der türkischen Hauptstadt Ankara sind am Freitag nach Behördenangaben 17 Polizisten verletzt worden, zwei davon schwer. Die Bombe war explodiert, als die Beamten eine verdächtige Tasche untersuchten und einen mit Pulver gefüllten Plastikbehälter zu Tage förderten. Die türkischen Behörden gehen von einem Anschlag aus, ohne dass es zunächst Hinweise auf die Täter gab. In der Vergangenheit wurden für ähnliche Anschläge zumeist militante Islamisten oder linke Extremisten verantwortlich gemacht.

Die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu hatte gemeldet, Beamte hätten ein verdächtiges Paket auf dem Gelände eines Zentrums gefunden, in dem Nachwuchsrichter und -staatsanwälte ausgebildet werden. Es sei explodiert, als einer der Beamten es in ein leeres Gebäude geworfen habe. Ein zweites Paket sei detoniert, als die Polizei mit der Untersuchung begonnen habe. Der Polizeipräsident von Ankara, der zur Zeit der Explosion ebenfalls vor Ort war, blieb unverletzt.

"Keine Informationen über Ursache der Explosion"

"Im Moment gibt es keine Informationen über die Ursache der Explosion, wer sie ausgelöst hat und warum", sagte der Gouverneur der Stadt. Vermutlich handele es sich um Sprengstoff auf Kalium-Basis. Das Fernsehen zeigte eine Gruppe von Polizisten, die inmitten einer Rauchwolke davon eilte, nachdem ein von ihnen inspizierter Beutel explodiert war. Ein sich vor Schmerz krümmender Mann blieb zurück.

Linke Gruppe bekennt sich

Eine linke Organisation hat sich nach Angaben des türkischen Innenministeriums zu einem Bombenanschlag bekannt.

Die Bombe befand sich in einer Tasche, die zuvor in dem Gebäude entdeckt worden war. Polizisten brachten den Sprengsatz zur Entschärfung nach draußen. In der Umgebung war bereits kurz zuvor eine Bombe detoniert. Der Ministeriumssprecher erklärte, den Namen der linken Organisation, die sich zu dem Anschlag bekannte, wolle er nicht nennen, um nicht zu ihrer Propaganda beizutragen.

Linksextremisten und kurdische Rebellen haben in den vergangenen Jahren wiederholt in der Türkei Bombenanschläge verübt. Im Juni waren bei einer Bombenexplosion an einer Straße in Istanbul fünf Menschen verletzt, darunter der Staatsanwalt des Staatssicherheitsgerichts. Die Polizei verdächtigte kurdische oder linke Rebellen der Tat.(APA/Reuters/dpa/AP)

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