Staatsoper im Clinch mit den Festspielen

12. August 2003, 14:10
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Rabl-Stadler ist über Holender verärgert

Salzburg - Auf Ioan Holender, den Staatsoperndirektor, sollte man Helga Rabl-Stadler, die Präsidentin der Salzburger Festspiele, derzeit lieber nicht ansprechen. Denn die Wahrscheinlichkeit, einen Wutausbruch auszulösen, ist extrem hoch. Weil Holender, wie sie meint, alles daran setze, gegen die Festspiele zu arbeiten.

Der Staatsoperndirektor tat unlängst im Kurier kund, künftig in den Juli hinein spielen und im Gegenzug die neue Saison erst später im schlecht ausgelasteten September beginnen zu wollen. Mit diesem Kniff ließe sich viel Geld machen. Was bedeuten würde, dass die Wiener Philharmoniker, die ja das Staatsopernorchester stellen, erst entsprechend später nach Salzburg übersiedeln könnten. Und das wäre, meint Rabl-Stadler, eine Katastrophe. Weil die Probenzeiten keinesfalls verkürzt werden könnten. Eine Verlegung des Festspielstarts in den August wäre aber mit enormen Verlusten verbunden.

Holender sagte zwar, er wolle die Festspiele nicht stören, stellte aber unmissverständlich fest, dass ihm das Hemd näher sei als der Rock. Wohl aus demselben Grund scheint er auch das geplante Gastspiel der Festspiele 2006 nach Japan mit den Philharmonikern unter Nikolaus Harnoncourt vereiteln zu wollen. Jedenfalls glaubt Rabl-Stadler dies aus dem Verhalten von Holender herauslesen zu können, der sogar Druck auf die Politik und die Philharmoniker ausüben würde. Die Festspieltournee wäre, so Holenders Argumentation, ein massiver Konter gegen die Staatsoper, die 2004 mit Seiji Ozawa in Japan gastieren will und später noch einmal (was bereits als Indiz angesehen wird, dass Holender über 2007 hinaus Direktor bleiben möchte).

Japan habe genügend Potenzial für beide Musiktheaterproduzenten, meint hingegen Rabl-Stadler. Und schließlich ärgert sie sich auch darüber, dass Holender plötzlich in News als "deus ex machina" auftritt und ankündigt, er werde die Oper Der Fall W. von Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek in seinem Haus herausbringen. Denn Festspielintendant Peter Ruzicka hatte kürzlich, wie berichtet, gemeint, die Finanzierung der Uraufführung 2006 sei noch nicht gesichert, eine Entscheidung könne erst im Herbst fallen. Über Holenders Vorstoß sei er, sagt Ruzicka nun, "überrascht". Eben weil das Projekt keinesfalls abgesagt wurde.

Ioan Holender war für den STANDARD nicht erreichbar. (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Printausgabe, 01.08.2003)

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