Die Hochsprung-Weltmeister

2. August 2003, 13:00
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Wiesen-Schaumzikaden lassen selbst Flöhe hinter sich - ein Mensch müsste im Vergleich 210 Meter schaffen

London - Die sechs Millimeter großen Wiesen-Schaumzikaden halten den Weltrekord im Hochsprung. Dank einer bisher unbekannten Sprungtechnik überflügeln die Zikaden selbst Flöhe, die bisherigen Rekordhalter. Sie katapultierten sich auf eine maximale Höhe von 70 Zentimetern, was umgerechnet auf die Körpergröße einem 210-Meter-Hochsprung eines durchschnittlich großen Mannes entspricht. Das berichtet der britische Zoologe Malcolm Burrows von der University of Cambridge im Fachblatt "Nature".

Hinweise auf die Technik der Sprungkünstler gaben Aufnahmen mit einer hochauflösenden Videokamera: Die Insekten ziehen demnach ihre extrem langen Hinterbeine unter den Körper und arretieren sie. In einem kräftigen Muskel, der elf Prozent des Körpergewichts ausmacht, wird wie in einem Katapult Energie gespeichert. Überschreitet die Energie des Muskels einen gewissen Punkt, löst sich blitzartig der "Verschluss" der Hinterbeine. Durch die schlagartige Freisetzung der Energie werden die Hinterbeine durchgedrückt, was den Körper der Zikade enorm beschleunigt.

Beschleunigung mit mehr als dem 400-fachen der Erdanziehungskraft

Von der ersten sichtbaren Beinbewegung bis zum Abheben der Wiesen- Schaumzikaden (Philaenus spumarius) vergehe weniger als eine Millisekunde. Bei den besten Sprüngen heben die Tiere demnach mit einer Geschwindigkeit von vier Metern pro Sekunde ab und beschleunigten dabei mit mehr als dem 400-fachen der Erdanziehungskraft. Weltweit sind etwa 3.000 Arten von Schaumzikaden bekannt. Umso erstaunlicher sei es, dass bisher niemand ihre Sprungkünste erkannt habe, schreibt Burrows.

Am bekanntesten sind die Zikaden für die Produktion des "Kuckucks"- oder "Hexenspeichels", einem schaumigen Sekret der Larven, das im Frühling an Gräsern und Büschen zu finden ist. Die Jungstadien der Zikaden lassen den Speichel über den Körper laufen und blasen dann mit einem Atemkanal an der Unterseite des Körpers Luft hinein. In der schaumigen Masse verstecken sie sich dann. (APA/dpa)

Vgl. "Nature", (Bd. 424, S. 509)
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