Sarkoidose: "Ultraschall von innen" soll bessere Diagnose liefern

28. August 2013, 13:26
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In einer Studie konnte gezeigt werden, dass eine Gewebeentnahme mit der endosonografisch gesteuerten Feinnadelbiopsie effektiver ist

Bonn - Die Sarkoidose ist eine relativ seltene Bindegewebserkrankung, die vor allem die Lunge betrifft und zu Atembeschwerden, Reizhusten und allgemeinen Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß und Gewichtsabnahme führt. Um die Diagnose zu stellen, untersuchen Ärzte unter anderem Gewebeproben aus den Atemwegen und der Lunge. Doch die übliche Methode der Gewebeentnahme, die im Zuge einer Spiegelung der Atemwege erfolgt, gelingt nicht immer und in etwa der Hälfte der Fälle verfehlen die Mediziner das kranke Gewebe.

Ein modernes Ultraschallverfahren soll nun eine verbesserte Diagnose ermöglichen: Die Gewebeentnahme, so das Ergebnis einer kürzlich im Fachmagazin JAMA veröffentlichten Studie, ist mit der endosonografisch gesteuerten Feinnadelbiopsie effektiver durchführbar. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) empfiehlt daher die Endosonografie - also den "Ultraschall von innen" - bei der Diagnostik der Sarkoidose zu etablieren.

Die Sarkoidose, auch "Morbus Boeck" genannt, ist eine Bindegewebserkrankung, die häufig zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auftritt. Sie geht mit Knoten in der Lunge und Lymphknotenvergrößerungen besonders im Brustkorb einher. Da die Sarkoidose sowohl einer Tuberkulose als auch einem bösartigen Lymphom oder einem Lungenkrebs ähneln kann, muss der Arzt eine Gewebeprobe entnehmen, um diese Krankheiten zweifelsfrei erkennen zu können. Die Diagnose erfolgt dann über charakteristische, im Mikroskop sichtbare Zellansammlungen - den Granulomen.

Gezielte Punktion

In einer Studie mit 304 Patienten aus 14 Zentren in Brasilien und Europa haben Wissenschaftler nun den Vorteil der ultraschallgesteuerten Feinnadelbiopsie gegenüber der Gewebeentnahme mittels Bronchoskopie ermittelt: Mithilfe des Ultraschalls gelang es den Ärzten bei 80 Prozent der Patienten mit Sarkoidose, die Granulome bei der Biopsie zu treffen. Mit dem Bronchoskop gelang ihnen das nur in etwa der Hälfte der Fälle. "Die Ergebnisse sind eindeutig und sprechen dafür, die Endosonografie zur Diagnostik der Sarkoidose heranzuziehen", meint Christian Jenssen, Chefarzt des Fachbereichs Innere Medizin am Krankenhaus Märkisch-Oderland in Strausberg. 

Anders als das normale Bronchoskop machen die endosonografischen Spezialgeräte die Gewebeschichten unterhalb der Schleimhautoberfläche sichtbar. Zur Untersuchung führt der Arzt das Instrument mit einem an der Spitze befindlichen miniaturisierten Ultraschallkopf in die Atemwege ein (Endobronchialer Ultraschall - EBUS).

Alternativ oder ergänzend kann er die Untersuchung auch mit einem ähnlichen Gerät - dem Endoskopischen Ultraschall (EUS) - von der Speiseröhre aus durchführen. "Alle Lymphknotenstationen des Brustraums liegen entweder der Speiseröhre oder den Atemwegen direkt an. So kann der untersuchende Arzt die Nadel auf dem Weg in den Lymphknoten beobachten, den gesamten Punktionsvorgang gezielt durchführen und sicher kontrollieren", erklärt Jenssen.

Anspruchsvolle Technik

Das Hauptrisiko der bronchoskopischen Lungenbiopsie - ein Kollaps der Lunge nach Anstechen des Lungenfells - tritt bei den endosonografischen Verfahren laut Angaben des Experten nicht auf, weil hier die Feinnadelpunktion gezielt aus Lymphknoten und nicht aus Lungengewebe erfolgt. Starke Blutungen nach der Gewebeentnahme sind mit beiden Methoden hingegen annähernd gleich oft zu beobachten.

"Entscheidend für eine erfolgreiche Biopsie ist die Erfahrung und Qualifikation des Arztes", betont Jenssen. - Schließlich stelle die Technik sehr hohe Ansprüche -  sowohl an die endoskopischen Fertigkeiten als auch an die Ultraschallkenntnisse des behandelnden Mediziners. (red, derStandard.at, 28.8.2013)

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