Nüchterne Diplomatin ohne Starallüren

Kopf des Tages26. August 2013, 22:17
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Uno-Abrüstungsexpertin Angela Kane verhandelt im Syrien-Krieg

Ihr Büro an der United Nations Plaza in New York sieht Angela Kane momentan seltener als die syrische Machtzentrale in Damaskus. Erst vergangenes Wochenende reiste die 1948 im niedersächsischen Hameln geborene Uno-Abrüstungsbeauftragte wieder einmal dorthin. Und dabei war sie nicht erfolglos: Nach Gesprächen mit dem syrischen Außenminister wurde eine Vereinbarung getroffen, auf deren Basis das von dem Schweden Åke Sellström geleitete Uno-In­spektorenteam nicht nur andere mutmaßliche Giftgasangriffe in Syrien untersuchen darf, sondern auch jenen, der sich vergangene Woche nahe Damaskus ereignet haben soll.

Die mit einem US-Unternehmer verheiratete Spitzendiplomatin, die sechs Sprachen fließend spricht, studierte Politik- und Literaturwissenschaft in München, Philadelphia und Washington. Danach arbeitete sie bei Öl-Multi Shell, der niederländischen Botschaft in Bangkok und der Weltbank in Washington, bevor sie mit knapp 30 Jahren zur Uno ging.

Dort schaffte sie es, sich bis in die höchsten Ämter der Weltorganisation hochzuarbeiten. Zunächst führte sie bloß Touristen durch die New Yorker Zentrale der Uno, organisierte Konferenzen und initiierte den Internet-Auftritt. 27 Jahre später stieg sie dann zur Bei­geordneten Generalsekretärin auf – und war so verantwortlich für ein Fünftel des Uno-Budgets und 2200 Mitarbeiter.

Im März vergangenen Jahres kam dann der erwartete ultimative Karriereschritt: Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon ernannte die gebürtige Deutsche zur Hohen Vertreterin des Generalsekretärs für Abrüstung. Seitdem kümmert sie sich um Angelegenheiten wie den Atomwaffensperrvertrag NPT oder diverse Rüstungsbegrenzungsabkommen. Seit einigen Monaten steht zudem der blutige Konflikt in Syrien auf ihrer Agenda.

Die Politologin gilt als neugierig und optimistisch: "Es macht mir nichts aus, wenn ich bei null anfangen muss", gab sie einmal zu Protokoll. Und so kam es, dass sie Friedensmissionen in Afrika leitete oder mit Rebellen in Thailand – wie sie selbst sagt – "wie eine Fischfrau auf dem Markt" verhandelte. Angetrieben wurde sie stets von ihrer Abenteuerlust, vor allem aber auch von der "Faszination, etwas bewegen zu können".

Kollegen äußern sich zumeist sehr positiv über Kane und bezeichnen sie als "professionell", aber auch als "nüchtern". Sie liefert zwar kaum Schlagzeilen, dafür aber stets stichhaltige Informationen.  (Noura Maan /DER STANDARD, 27.8.2013)

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