Feuerprobe für Euro-Krisenländer

25. August 2013, 17:16
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Diese Woche will die Regierung in Rom Schatzscheine im Volumen von 19 Milliarden Euro platzieren. Griechenland braucht ebenfalls Milliarden

Mailand/Athen – Die permanente Regierungskrise macht die Emission von Staatspapieren in der letzten Augustwoche zu Feuerprobe für Italien. Laut Schätzungen des Anlageberaters  MPS Capital kommen diese Woche kurz-und mittelfristige Schatzscheine im Wert bis zu 19 Mrd. Euro zur Versteigerung. Finanzanalysten befürchten, dass sowohl die Krise im Nahen Osten wie auch die hausgemachte Politkrise in Rom die Refinanzierung belasten könnten. Also wird mit leicht steigenden Zinsen gerechnet.

Nach Ferragosto war die Entwicklung auf dem italienischen Finanzmarkt allgemein freundlich, der Aktienmarkt im Hoch. Der Spread, die Zinsdifferenz zwischen italienischen und deutschen Staatspapieren, bewegt sich zwar mit 260 Basispunkten noch nahe dem Zweijahrestief, hat aber zuletzt leicht zugenommen.

Das Schatzamt wird diese Woche Zwei-Jahres-Schatzscheine (drei Mrd. Euro) und fünf- bis 15 jährige Staatspapiere (5,4 Mrd. Euro) platzieren. Am Donnerstag werden fünf- bis zehnjährige Bonds feilgeboten, deren Ausgabevolumen ist aber noch nicht fix. Finanzexperten erwarten, dass alles platziert werden kann, wenn auch ohne große Überzeichnung. Die Verzinsung bei Zehnjahrespapieren, die in den letzten vier Monaten von 3,8 auf 4,4 Prozent zugenommen hat, dürfte weiter steigen.

Die Dauer-Regierungkrise belastet auch die Realwirtschaft, könnte die zaghafte Erholung zunichte machen, warnt Bocconi-Wirtschaftsprofessor Tito Boeri. Seit Jahresmitte haben sich Auftragsstand der Industrie und Vertrauensklima erstmals seit drei Jahren positiv entwickelt. Auch die Industrieproduktion legte zu. Laut Ansicht des Chefs der Zentralbank Banca d Italia, Salvatore Rossi, müssten die Betriebe investieren, damit der Aufschwung Rückhalt erhält. Auch öffentliche Investitionen könnten die Wachstumsdynamik verbessert  werden.

Frisches Geld braucht auch Griechenland – allerdings nicht von den Finanzmärkten. Athen wird seine Euro-Partner wohl um weitere zehn Milliarden Euro bitten. Finanzminister Jannis Stournaras fordert, dass die zusätzlichen Hilfen nicht an weitere Bedingungen geknüpft werden. „Wenn Griechenland neue Hilfen braucht, werden es etwa zehn Milliarden Euro sein", sagte Stournaras in Proto Thema. Die Pflichten seines Landes im Gegenzug für die bereits von internationalen Geldgebern gewährten Hilfen seien bis 2016 fixiert. „Wir sprechen nicht über ein neues Rettungspaket, sondern über ein Paket mit Wirtschaftshilfen", betonte Stournaras. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte „vor einem Dominoeffekt der Verunsicherung", den ein Schuldenschnitt auslösen könnte. Am Ende könnte die Investitionsbereitschaft privater Anleger in der Eurozone wieder gegen null gehen", sagte Merkel dem Magazin Focus.

Ihr Parteikollege Finanzminister Wolfgang Schäuble pflichtete bei. Es gehe bei einem dritten Paket ausschließlich um Hilfen etwa bei der Kofinanzierung von EU-Strukturfonds, aber keinesfalls um einen weiteren Schuldenerlass, der auch zulasten der deutschen Steuerzahler ginge. „Es gibt keinen Schuldenschnitt, und wir haben nichts zu verbergen", sagte Schäuble im Mannheimer Morgen.

Auch der deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen warnte via Welt am Sonntag: Schon die Debatte über einen erneuten Schuldenerlass sei schädlich. Griechenland müsse heuer das Ziel eines primären Haushaltsüberschusses einhalten und erreichen.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) hingegen schließt einen weiteren Schuldenerlass und damit neue Verluste für Steuerzahler und Priivatanleger nicht aus. „Ein Schuldenschnitt ist auf absehbare Zeiten kein Thema, man kann ihn aber nicht für alle Zeiten ausschließen", sagte der frühere baden-württembergische Ministerpräsident. Oettinger beziffert das Volumen eines Schuldenschnitts mit einem „kleinen zweistelligen Milliardenbereich". (tkb, Reuters, AFP, dpa, DER STANDARD, 26.8.2013)

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    Die südeuropäischen Länder wie Portugal, Italien und Griechenland ist es ein Kreuz mit dem Euro. Rom fürchtet steigende Zinsen, Griechenland muss die EU-Partner anpumpen.

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