"Ein System der Gefälligkeiten"

8. August 2013, 18:34
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Am Donnerstag wurde im Telekom-Prozess der Wert von Rumpolds Konzepten erörtert. Für die einen waren die Papiere wertlos und "Blindgänger", für andere "nicht komplett daneben"

Wien - Der Wert der insgesamt vier Konzepte, die Gernot Rumpold der Telekom Austria verkauft hat, sei meilenweit von den 600.000 Euro entfernt gewesen, die der FPÖ-Werber 2004 verlangt und erhalten hatte. Das sagte am Donnerstag der Sachverständige Georg Jeitler aus. Drei der vier Konzepte seien "Blindgänger".

Rumpold hatte im Jahr 2004 diese vier Werbekonzepte erstellt. Die Anklage geht davon aus, dass sie ohne werthaltige Leistung waren und einzig als Begründung für eine Scheinrechnung über 600.000 Euro an Rumpolds Werbeagentur MediaConnection dienten. Rumpold beteuert dagegen die Werthaltigkeit seiner Konzepte und behauptet, es wären nicht nur wenige Papiere, sondern vielmehr vier ganze Ordner zur Telekom gegangen.

Vor Jeitler hatte auch ein anderer Gutachter den Wert der Konzepte infrage gestellt. Laut Martin Geyer lässt sich der von Rumpold behauptete Aufwand aus der Buchhaltung der Werbeagentur nicht nachvollziehen. Rumpold hatte allein die Personalkosten auf 80.000 bis 100.000 Euro geschätzt, mehrere Mitarbeiter seien an der Erstellung beteiligt gewesen. Dies sei "kostenrechnerisch nicht nachzuvollziehen", hielt Geyer den Rumpold'schen Auskünften entgegen. Für seine gutachterliche Tätigkeit standen ihm außerdem "lediglich Präkonzepte" im Umfang von 40 Seiten zur Verfügung, die vollständigen Konzepte konnten "bis heute nicht vorgelegt werden".

Der Vergleich, der zwischen Rumpold und der FPÖ zur Beseitigung offener Forderungen des Werbers abschlossen wurde, war "wirtschaftlich eher für die FPÖ von Vorteil", hält Geyer fest. Die Staatsanwaltschaft sieht darin eine indirekte Parteienfinanzierung.

Zuvor war der angeklagte Ex-Telekom Prokurist Michael G. ergänzend einvernommen worden. Er behauptete beharrlich, die Rumpold-Konzepte seien "nicht komplett daneben" gewesen. Ziel sei es gewesen, den ehemaligen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider zufriedenzustellen. Im Gegenzug habe man sich "Hilfe bei der Stimmung in der Politik" erwartet.

Auch Ex-Telekom-Vorstand Rudolf Fischer sagte, ihm sei "die Beziehungsebene zu Haider wichtig" gewesen. Weitere Zahlungen, um Landeshauptmänner zufriedenzustellen, habe es aber nicht gegeben, sagte Fischer auf Nachfrage des Staatsanwalts. Es habe bei der Telekom zwar grundsätzlich ein "System der Gefälligkeiten" gegeben, dies aber immer im Sinne des Unternehmens.

Am Freitag wird das Urteil verkündet. (Julia Niemann, DER STANDARD, 9.8.2013)

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    Mit Gernot Rumpolds Werbekonzepten wurde am Donnerstag hart ins Gericht gegangen. Der Werber bekam für die Konzepte viel Geld, die FPÖ erließ ihm zeitgleich viele Schulden.

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