Albaniens Verteidigungsministerin: Die Eiserne Lady, die keine sein will

Kopf des Tages5. August 2013, 19:53
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Ich war genauso überrascht wie alle anderen", sagte Mimi Kodheli, als sie von ihrem Parteichef Edi Rama als neue Verteidigungsministerin für Albanien ausgewählt wurde. Die 48-jährige Ökonomin war bisher im Parlament bloß in Budgetfragen mit dem Militär in Berührung gekommen. Nun soll sie in der neuen sozialistisch dominierten Regierung ein Beispiel dafür sein, dass das patriarchalische Albanien einen Schritt in Richtung Gleichberechtigung geht.

Verteidigungsressort als "Teil der Emanzipation"

Kodheli ist den Kampf um Männerdomänen gewohnt. Bei der Wahl am 23. Juni trat sie im nordalbanischen Lezha an, "wo es bewaffnete Leute, hohe Arbeitslosigkeit und Kriminalität" gibt. "Die Leute dort sind aber aufmerksamer, wenn da eine Frau ist, weil man einen 'Ausgleich' darstellt", sagt sie dem Standard.

Viele würden sie als Eiserne Lady sehen, "aber das bin ich nicht", meint sie. Andererseits könne dieses Image helfen, räumt sie ein. 2005 trat sie gegen den späteren Präsidenten Bamir Topi an. "Ich habe diese Schlacht geliebt", sagt sie. Obwohl sie damals gefragt wurde: "Wie kannst du einen Kampf mit jemandem aufnehmen, der dermaßen wichtig ist?" Dass sie nun das Verteidigungsressort übernimmt, sieht sie "als Teil der Emanzipation".

Albanien ist Nato-Mitglied, und die Allianz ist im Land aufgrund des Kosovo-Kriegs sehr populär. Albanien war auch Teil von George Bushs "Koalition der Willigen" im Irak-Krieg.

Kodheli schloss 1986, noch während der kommunistischen Zeit, in Tirana ihr Studium ab und machte danach ihr Doktorat für internationale Finanz an der Uni in Verona, um dann im Bankensektor zu arbeiten.

Bedingungslose Gefolgschaft gegenüber Parteichef

Seit 13 Jahren ist sie in der Politik. Beobachter attestieren ihr wenig eigenes Profil, dafür aber bedingungslose Gefolgschaft gegenüber Parteichef Rama. Das wichtigste Ziel ihrer Regierung ist, den EU-Kandidatenstatus zu bekommen - Albanien hofft, dass es schon im Dezember so weit ist. "Vielleicht ist es wichtiger, ihn zu behalten, als ihn zu bekommen", ist sich Kodheli der kommenden Herausforderungen bewusst.

In ihrer Freizeit "bleibt sie gern zu Hause, "weil ich ohnehin so wenig Zeit habe", sagt die verheiratete Frau, die zwar stolz auf ihre Karriere ist, "aber mein Meisterstück ist mein 24-jähriger Sohn".

Was sie für das größte Problem hält? "Frauen trauen anderen Frauen nicht in dem Ausmaß, wie sie Männern trauen. Wir brauchen also mehr Vertrauen untereinander." Mitte September tritt sie ihr Amt an. (DER STANDARD, 6.8.2013)

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