Karl Löbl sagt dem Radio Lebewohl

1. August 2003, 13:16
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Der Moderator nimmt Abschied vom Klassik-Treffpunkt "verschwinder aber nicht in der Versenkung"

Wien - Am kommenden Samstag (2.8.) wird Karl Löbl zum letzten Mal den "Österreich 1 Klassik-Treffpunkt" moderieren. In der Sendung, die live aus der Fördererlounge des Großen Festspielhauses in Salzburg (10.05 bis 11.40 Uhr) übertragen wird, begrüßt er als Gesprächspartner Bariton Thomas Hampson. Karl Löbl beendet seine Moderatorentätigkeit laut Aussendung des ORF "auf eigenen Wunsch".

"Jetzt bin ich 73 Jahre alt und finde, es ist Zeit zu gehen. Man muss aufhören, wenn man selbst - und auch das Publikum - 'Schade' sagt", wird Löbl in der Aussendung zitiert, "Ich habe mich bei Ö1 immer wahnsinnig wohl gefühlt und den 'Klassik-Treffpunkt' acht Jahre lang mit sehr viel Freude und wie ich glaube auch mit einigem Erfolg gemacht. Mein Abschied vom Radio bedeutet aber nicht, dass ich in der Versenkung verschwinde. Ich habe noch viel vor."

"Aus guten Gründen unerträglich überheblich"

Ö1-Programm-Chef Alfred Treiber bedauert Löbls Abschied. In der Aussendung heißt es: "Vor einigen Jahren meinte ein scheinbar wenig gut gelaunter Karl Löbl zu mir: 'Wenn Sie finden, dass der Löbl langsam unerträglich wird, dann sagen Sie mir, dass es Zeit wird, aufzuhören.' Meine Antwort war: 'Lieber Herr Löbl, Sie sind immer schon unerträglich überheblich gewesen - aber gewissermaßen aus guten Gründen. Deshalb war ich immer schon ein aufmerksamer Zuhörer. Von mir aus machen Sie die Sendung so lange Sie wollen.' Jetzt ist mir um den freiwillig aufhörenden Karl Löbl ehrlich leid."

Zur Person

Löbl wurde am 24. Mai 1930 geboren. Nach der Matura studierte er an der Universität Wien Musik- und Theaterwissenschaften und absolvierte ein Seminar für Musikkritik an der Musikhochschule. 1950 trat er in die damals noch britische "Weltpresse" ein, 1954 wurde er Kulturchef des "Bildtelegraf", der 1958 in "Express" umbenannt wurde. Nach der "Express"-Einstellung wechselte Löbl 1971 zunächst als Kulturchef zum "Sonntags-Kurier". 1973 wurde er Kulturchef für alle Ausgaben, und 1975 stieg er zum Chefredakteur der Tageszeitung auf. 1977 wurde seine Arbeit mit dem Dr. Karl Renner-Publizistikpreis belohnt.

Im März 1980 ging Löbl als Kulturchef zum ORF-Fernsehen. Seine Kommentare "Nach der Premiere" liefen ab April 1987 und wurden trotz Löbls Pensionierung im Mai 1995 bis Ende 1998 fortgeführt. Im ORF-Radio gestaltete Löbl bereits seit 1952 Sendungen, u.a. 28 Jahre lang die Ö1-Reihe "Lieben Sie Klassik?" und ab 1995 den Ö1-"Klassik-Treffpunkt", den Löbl mehr als 180 mal moderierte. (APA)

Letzter Ö1-"Klassik-Treffpunkt" mit Karl Löbl

2. August 10.05 bis 11.40 Uhr, Gast: Thomas Hampson

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