Fayad Mulla - Polit-Anfänger mit Ambitionen für die Armen

2. August 2013, 19:07
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Der Wandel tritt bei der Nationalratswahl erstmals in Oberösterreich und Wien an

Den ersten Antrag, den Fayad Mulla im Parlament einbringen würde: dass auch fette Kapitaleinkünfte hierzulande endlich so hoch besteuert werden wie normale Erwerbsarbeit. Am 29. September tritt der 32-Jährige, der bei SOS Kinderdorf im IT-Management arbeitet, in Wien und Oberösterreich erstmals mit seiner neuen Liste Der Wandel an - eine Kleinpartei mit einer Kerntruppe von knapp zwei Dutzend Leuten, die sich für "eine gerechte Umverteilung", einen Mindestlohn von 1500 Euro sowie eine Energiewende bis 2030 starkmachen.

Der Chef selbst, als Sohn eines Syrers und einer Steirerin in Kärnten und Oberösterreich aufgewachsen, hat internationale Entwicklung studiert und war bis vor einem Jahr auch im Management der Wiener Tafel tätig - jenes Sozialprojekts, das Lebensmittel aus Supermärkten an karitative Einrichtungen zum Verteilen an Bedürftige vermittelt. Bescheiden müssen Mulla und seine politischen Mitstreiter auch ihre Wahlkampftour angehen. Bisher gab es bloß 15.000 Euro an Spenden - und so bezahlt jeder, der bei Wandel angeheuert hat, Sprit, Unterkunft und Verpflegung aus der eigenen Tasche.

Als Beraterin für die Überzeugungsarbeit steht dem Polit-Neuling niemand Geringerer als die Grande Dame der Grünen zur Seite. Der wichtigste Rat, den ihm Freda Meissner-Blau für die politische Zukunft mitgegeben hat: "Nicht gleich die ganze Welt verändern wollen!" Sondern die Anliegen lieber Schritt für Schritt durchbringen, denn das garantiert längeren Atem. Auch vor den möglichen Intrigen im Hohen Haus hat Meissner-Blau den Polit-Anfänger bereits gewarnt, sollte seine Partei im Herbst tatsächlich den Einzug schaffen.

Bisher hat Mulla bei Wahlen immer bei "Rot oder Grün" sein Kreuz gemacht - doch bei den etablierten Parteien wollte er sich auch diesmal nicht engagieren. Zwar gäbe es da und dort sogar mit der ÖVP inhaltliche Überschneidungen, gibt er zu, wie etwa die Forderung nach einer steuerlichen Entlastung für kleine und mittlere Betriebe. Aber: "Ich vermisse bei allen einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz und Visionen."

Um die eigenen zu verwirklichen, hat der neue Parteichef, ledig und ohne Religionsbekenntnis, im letzten halben Jahr seine "gesamte Freizeit" geopfert, sodass er in diesem Sommer bisher nicht einmal zu seinen Lieblingsbeschäftigungen abseits der Politik gekommen ist: Schwimmen und Reisen. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 2.8.2013)

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    Fayad Mulla will einen Wandel - zuerst im Parlament

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