Rheuma: Mythen verhindern frühe Diagnose und Therapie

2. August 2013, 17:02
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Wiener Internist ortet ein massives Informations- und Versorgungsdefizit im Zusammenhang mit rheumatischen Erkrankungen

Wien - Vielfach wird Rheuma mit älteren, gebrechlichen Menschen assoziiert. Weniger bekannt ist hingegen, dass auch junge, aktive Menschen unter Rheuma leiden können. Rund 80 Prozent der Patienten sind Frauen, wobei diese besonders häufig an der sehr schmerzhaften Form, dem sogenannten entzündlichen Rheuma, erkranken.

Rund zwei Millionen Österreicher werden im Laufe ihres Lebens mit der Diagnose "Rheuma" konfrontiert - ein Sammelbegriff, unter dem mehr als 400 Erkrankungen des Bewegungsapparats subsumiert sind.

Die schwerwiegendste Form von Rheuma ist die chronische Gelenksentzündung (Polyarthritis). Bei dieser besonders aggressiven Form der Entzündung kommt es oft schon binnen weniger Wochen zu stark abgenützten und versteiften Gelenken oder Schäden an der Wirbelsäule. Unbehandelt führt dies zu den gefürchteten Deformationen der Gelenke. "Daher ist die Suche nach Frühzeichen der Erkrankung sehr wichtig, damit eine Therapie rechtzeitig eingeleitet werden kann", gibt der Wiener Internist und Rheumaexperte Thomas Schwingenschlögl zu bedenken.

Heilungschance bei frühzeitigem Therapiebeginn

Laut Meinung des Mediziners spielt auch der Zeitpunkt der Diagnose eine große Rolle. Treten beispielsweise Schmerzen und Schwellungen an den Gelenken plötzlich und ohne ersichtlichen Grund auf, sollten diese möglichst rasch ärztlich abgeklärt werden. "Wird die Diagnose in den ersten drei Monaten nach Auftreten der ersten Symptome gestellt, so ist auf Grund der neuen Therapieformen vielfach ein kompletter Stopp des Leidens möglich", sagt Schwingenschlögl.

In den vergangenen Jahren konnten bei der Behandlung von Rheuma deutliche Fortschritte erzielt werden: "Früher wurde Rheuma mit großen Dosen an Cortison behandelt, was zu verheerenden Nebenwirkungen geführt hat. Heute besteht eine moderne Rheumatherapie aus einer Kombination von medikamentöser und ganzheitlicher Behandlung, abhängig von der exakten Diagnose", so der Internist.

Kritik übt der Experte an der hiesigen Informations- und Versorgungspolitik: "Das Wissen über Rheuma ist leider nur sehr mangelhaft vorhanden ist, was angesichts der guten Heilungschance im Falle einer Früherkennung wirklich schade ist. Viele Patientinnen plagen sich oft viel zu lange mit den schmerzhaften Symptomen, bevor sie eine fachgerechte Therapie erhalten. Zudem ist Österreich bedauerlicher Weise mit einschlägigen Fachärzten und Therapieformen stark unterversorgt. Daher ist bei Rheuma besonders viel Aufklärungsarbeit notwendig" bekräftigt der Rheumatologe. (red, derStandard.at, 2.8.2013)

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