Bradley Manning & Co: Selten Pardon für Gesinnungstäter

30. Juli 2013, 22:00
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Wikileaks-Informant Bradley Manning wurde vor einem US-Militärgericht verurteilt. Die Geschichte zeigt, dass Geheimnisverräter, auf welch hehre Motive sie sich immer beriefen, selten Gnade fanden

Fort Meade / Wien – Vom schwersten Anklagepunkt – der Unterstützung des Feindes – hat das US-Militärgericht in Fort Meade den Wikileaks-Informanten Bradley Manning für "nicht schuldig" befunden. Damit droht ihm keine Todesstrafe. Der Obergefreite der US-Armee habe aber gegen Spionage-Gesetze verstoßen, entschied das Militärtribunal in Fort Meade am Dienstag.

Von der Menge des Materials her war es der größte Geheimnisverrat in der Geschichte der USA. Die tatsächliche Tragweite ist noch nicht abzuschätzen. Fest steht, dass der US-Obergefreite sehr vielen Menschen weltweit als Held gilt, seit er während seiner Stationierung im Irak von November 2009 bis Mai 2010 hunderttausende Geheimdokumente von Militärrechnern herunterlud und der Enthüllungsplattform Wikileaks zuspielte. Das Urteil vom Dienstag wird den Manning-Mythos vermutlich noch verstärken.

Die Dokumente enthalten schmutzige Wahrheiten aus den Kriegen im Irak und in Afghanistan, aber auch Brisantes aus dem Informationsaustausch der US-Diplomatie. Manning begründet sein Verhalten moralisch: "Wenn du unglaubliche, schreckliche Dinge siehst, Dinge, die an die Öffentlichkeit gehören, was würdest du tun?"

US-Militärs und -Politiker sehen in Manning hingegen einen Verräter, der die nationale Sicherheit gefährde und das Leben vieler einzelner Menschen, die zu potenziellen Terrorzielen geworden seien. Ähnlich wird auch im Fall des Ex-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden argumentiert, der noch immer im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo festsitzt.

Die Geschichte zeigt, dass Geheimnisverräter nur ganz selten straflos davonkommen, wenn es um nationale Sicherheit geht – oder was dafür ausgegeben wird. Einer dieser Fälle ist der heute 82-jährige Daniel Ellsberg. Als Analyst im US-Verteidigungsministerium spielte er 1971 Zeitungen die sogenannten Pentagon-Papiere zu. Sie enthüllten düstere Seiten der Kriegsführung in Vietnam. Ihre Veröffentlichung gab der Protestbewegung Auftrieb und trug damit zum beschleunigten Kriegsende bei.

Ellsberg wurde vor Gericht gestellt – und freigesprochen, unter anderem, weil er illegal bespitzelt worden war. Das spannt den Bogen zu Edward Snowden. Ellsberg stellte sich jüngst hinter den Enthüller der NSA-Überwachungspraktiken, dessen Flucht er gutheißt: "Das Amerika, in dem ich geblieben bin, war ein anderes Land."

Lebenslang für versuchten Verrat

Nur für versuchten Geheimnisverrat wurde 2003 Brian Regan, ehemaliger Experte für Spionagesatelliten und Ex-Unteroffizier der US-Airforce, zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt. Laut Urteil hatte er dem Irak für 13 Millionen Dollar Informationen über das US-Satellitensystem angeboten und auch China Material offeriert.

Die auch heute gültige Höchststrafe für Geheimnisverrat traf vor 60 Jahren Julius und Ethel Rosenberg. Das Ehepaar wurde im Juni 1953 auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Die beiden hatten Informationen über das US-Atomwaffenprogramm an die Sowjetunion geliefert, mit der sie ideologisch sympathisierten. Ihr Motiv: Herstellen eines strategischen Gleichgewichts.

Die Informationen kamen großteils von Ethel Rosenbergs Bruder David Greenglass, der in Los Alamos an der Entwicklung der US-Atombombe mitgewirkt hatte. Er rettete sich, indem er seine Schwester und deren Mann schwer belastete, und erhielt eine mehrjährige Haftstrafe. (Josef Kirchengast, DER STANDARD, 31.7.2013)

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    Bradley Manning vor dem Militärgericht in Fort Meade: moralische Motive.

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    Ethel und Julius Rosenberg 1951 vor Gericht in New York: Todesurteil für Atomverrat an die Sowjetunion.

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    David Ellsberg: Freispruch nach Enthüllungen über den Vietnamkrieg.

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