Länderberichte gewichten Gefahr verschieden

29. Juli 2013, 19:05
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Einschätzung der Lage in Pakistan treffen Bundesasylamts-Abteilung und "Accord"

Wien - 1823 Pakistanis haben 2012 in Österreich um Asyl ersucht, fast doppelt so viele wie 2011. Eine Entwicklung, die gemeinhin mit der zunehmend angespannten Sicherheitslage in dem südasiatischen Land in Zusammenhang gebracht wird, aufgrund derer das Außenministerium seit 27. Juni 2013 eine partielle Reisewarnung für das Land erteilt hat.

Auf die Zahl von Asylgewährungen an Pakistanis in Österreich hat dies jedoch keinen Einfluss: Sie dümpelt seit mehreren Jahren bei nur einem Prozent. Mitverantwortlich dafür sind die Informationen, die dem Bundesasylamt und dem Asylgerichtshof über die Lage im Land vorliegen: Länderberichte, die von zwei Stellen kommen. Der Abteilung für Staatendokumentationen des Bundesasylamts (BAA) und dem beim Roten Kreuz in Wien angesiedelten Projekt Accord (Austrian Centre for Country of Origin and Asylum Research and Documentation).

Filterfunktion

"Wir haben im Grunde eine Filterfunktion", erläutert Reinhold Jawhari, stellvertretender Leiter von Accord. Informationen gebe es im Internet zuhauf. Also gelte es, professionell zu suchen, zusammenzufassen - und möglichst auf Deutsch zu übersetzen, denn nicht alle Referenten, etwa des Bundesasylamts, sind des Englischen mächtig. Als Quellen dienen die jährlich erstellten Berichte des US-Außenministeriums, von Amnesty International und Human Rights Watch, ebenso Medienartikel und NGO-Infos.

Reisewarnung

Zur Lage in Pakistan liegt von Accord ein Länderbericht aus Juni 2013 vor, der also kurz vor der Reisewarnung des Außenministeriums in Wien erschienen ist. Zur Sicherheitslage werden darin etwa Informationen von Human Rights Watch und dem UN-Außenamt zitiert: Die Rede ist von hunderten Toten und tausenden Verletzten durch Angriffe von Taliban und anderen Extremisten im Jahr 2012. Für die Zukunft wird keine gute Prognose erstellt.

Anders gewichtet eine BAA-Staatendokumentation von Juni 2013, Resultat einer Fact Finding Mission: Die terroristischen Aktivitäten seien zwar massiv, aber "bis Ende 2012 zurückgegangen". Zudem würden sie sich stark auf "kritische Regionen" in Grenzgebieten konzentrieren. Insgesamt gebe es "deutliche Zeichen der Demokratie". Wichtig ist laut Jawhari auch, "dass Pakistan ein derart großes Land ist. Da wird oft nach einer innerstaatlichen Fluchtalternative gefragt". (bri, DER STANDARD, 30.7.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Grenzgebiet (im Bild aus Südwasiristan vertriebene Leute) gilt als "kritische Region".

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