John Banville erhielt Staatspreis für europäische Literatur überreicht

25. Juli 2013, 19:21
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Irischer Autor sieht sich als "Europäer bis ins Grab"

Salzburg - Der irische Schriftsteller John Banville erhielt am Donnerstagnachmittag in Salzburg den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2013. Die Auszeichnung, die von Kulturministerin Claudia Schmied auf der Edmundsburg hoch über den Dächern der Altstadt verliehen wurde, ist mit 25.000 Euro dotiert.

Er sei sehr stolz, diese Auszeichnung zu erhalten, dankte Banville und bekannte sich dazu, "Europäer bis ins Grab" zu sein. "Auch wenn das in meinem Land nicht besonders populär ist", meinte der Autor. Schriftsteller wüssten nicht mehr als andere Menschen, sie wären auch keine Priester, Schamanen oder Träumer. Das Schreiben von Romanen sei mehr, als Geschichten zu erzählen. Schriftsteller würden Dinge entschlüsseln, die weit hinter den Wörtern liegen, sagte der Preisträger, der mit seiner Frau Patricia Quinn nach Salzburg gekommen ist.

"John Banville ist ein Autor, dessen Stärke es ist, das Wesensfremde - den Fremden in uns - im Menschen zu erkennen, sagte Schmied anlässlich der Verleihung: "Es ist höchste Zeit, dass der Österreichische Staatspreis an einen Iren geht." Schließlich wären Österreich und Irland die Länder mit der höchsten Literatendichte, erklärte die Ministerin.

Laudator Klaus Nüchtern bezeichnete Banville als einen Autor, "der seine Bildung und Belesenheit nicht verschämt versteckt". In seinen Romanen seien Gelehrte wie Kopernikus, Kepler oder Newton Titelhelden. Nachdichtungen einiger Stücke von Heinrich von Kleist würden einen besonderen Bezug Banvilles zur deutschen Sprache belegen, meinte Nüchtern. "Und würden beim Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur spezielle Bonuspunkte für Österreichbezüge vergeben, dann hätte man bei Banville reichlich Gelegenheit dazu." Banville sei ein wahrhaft europäischer Autor. Die Kultur dieses Kontinents bildete den Referenzrahmen seiner Werke. Nüchtern lobte auch die Leistung von Christa Schuenke, die die "gewiss nicht immer ganz leichte Aufgabe, die Bücher Banvilles ins Deutsche zu übertragen, seit vielen Jahren souverän bewältigt".

John Banville wurde 8. Dezember 1945 im irischen Wexford geboren. Bereits im Alter von 15 Jahren schrieb er erste Kurzgeschichten. Im Jahr 1970 erschien Banvilles erster Roman "Long Lankin". Heute lebt er in Dublin, gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen irischen Autoren. Zu seinen auf Deutsch übersetzten Romanen zählen "Caliban", "Die See" und zuletzt "Unendlichkeiten", eine himmlische Farce als Hommage an Kleists "Amphitryon". Er wurde u.a. mit dem Man Booker Preis, dem Irish Book Award und dem Franz-Kafka-Literaturpreis ausgezeichnet.  (APA, 25.7.2013)

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