Liebevolle Festspieleröffnung

17. Juli 2013, 18:20
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Bundespräsident Heinz Fischer rügte in Bregenz die USA

Bregenz - Keine Intrigenspiele im Vorfeld, keine frechen Gags bei der Eröffnungsfeier, über die sich Politik oder Klerus echauffieren könnten: David Pountney ist milde geworden. Der Intendant der Bregenzer Festspiele inszenierte die Feier zur Eröffnung der 68. Bregenzer Festspiele am Mittwochvormittag ganz nach dem Festspielmotto "Dem Licht entgegen". Pountney, in seiner vorletzten Saison als Intendant auch Regisseur des Spiels auf dem See, interpretiert "Die Zauberflöte" als aufklärerisches Stück, als Sieg menschlicher Vernunft über Herrschaftswahn und Machtgier.

Pountneys Intention fand in Bundespräsident Heinz Fischers Eröffnungsrede die politische Entsprechung. Fischer plädierte für die Einhaltung der Menschenrechte und Wahrung von Menschenwürde: "Wenn wir wollen, dass die Menschenwürde unantastbar bleibt", sagte Fischer; "dann muss auch das soziale Gefüge unserer Gesellschaft darauf ausgerichtet sein. Dann muss auch die Menschenwürde von Flüchtlingen oder von Menschen im Gefängnis unantastbar sein." Unverhohlen kritisierte der Bundespräsident die aktuelle US-amerikanische Politik. Es sei der Terrorismus, der auch führende Akteure demokratischer Staaten in die Sackgasse jenes Prinzips treibe, das da laute: Der Zweck heiligt die Mittel. Fischer warnte vor der Abkehr von den Grundprinzipien der Rechtsstaatlichkeit: "Der Rechtsstaat darf nicht zur Diskussion gestellt werden, weder diesseits noch jenseits des Atlantiks."

Mit dem musikalischen Programm zur Eröffnung zeigte Pountney einmal mehr, wie wichtig ihm die Förderung zeitgenössischer Komponisten ist. Gleich vier Werke wurden uraufgeführt. Festspielpräsident Hans-Peter Metzler freute sich, "dass uns Isidora Zebeljan, Judith Weir und Detlev Glanert jeweils eine Zauberflöten-Variation speziell für diese Eröffnungsfeier geschenkt haben". Dmitri Smirnov nahm mit seinen Papageno Variations, Op. 66/171, einem Auftragswerk, bei Ludwig van Beethoven Anleihen. Interpretiert wurden die Werke von den Wiener Symphonikern (Leitung: Paul Daniel) und einem Ensemble des Vorarlberger Landeskonservatoriums. Pountneys Jugendarbeit war Kulturministerin Claudia Schmied in ihrer Rede ein Extralob wert. Schmied überraschte die Festgäste zudem mit Gedanken über die Liebe. Was Heinz Fischer zu einer "liebevollen Eröffnung" verführte. (Jutta Berger/DER STANDARD, 18. 7. 2013)


Dauer der Bregenzer Festspiele: bis 18. August

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