Rechnungshof: Wiener Sängerknaben sollen künftig Miete zahlen

17. Juli 2013, 12:39
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Laut Burghauptmann gibt es derzeit eine Mietfreistellung aufgrund von getätigten Investitionen

Wien - Kaum ist der umstrittene Konzertsaal fertig, stehen die Wiener Sängerknaben vor einem neuen Problem: Sie residieren derzeit gratis im Palais Augarten und sollen dafür demnächst Miete zahlen. Anlass dafür ist eine Kritik des Rechnungshofs, der eine versteckte Subvention ortete. Ob tatsächlich monatlich 17.200 Euro gezahlt werden müssen, wie am Mittwoch medial kolportiert wurde, ist allerdings offen.

"Wir verhandeln mit den Sängerknaben über eine Lösung", berichtete Burghauptmann Reinhold Sahl. Er wurde vom Wirtschaftsministerium mit der Angelegenheit betraut. Eigentümer des Palais Augarten ist die Republik. Den Sängerknaben wurde zuletzt  aufgrund von Investitionen, die sie getätigt haben, eine Mietfreistellung gewährt.

Nun sollen sie wieder zahlen bzw. eine andere Lösung gefunden werden. Wie eine solche aussehen könnte, wollte Sahl angesichts der laufenden Verhandlungen nicht sagen. Zudem gebe es verschiedene Modelle, die geprüft würden.

Sängerknaben akzeptieren Miethöhe nicht

Der Präsident der Wiener Sängerknaben, Walter Nettig, ließ in Zeitungsinterviews anklingen, dass er eine Miete von 17.200 Euro nicht akzeptieren werde. In so einem Fall sei es nicht mehr möglich, die Dienstleistungen bzw. die Qualität aufrecht zu erhalten. Nötig wären dann Subventionen, versicherte Nettig.

Die jährlich mehr als 200.000 Euro pro Jahr Miete würden das Ende für die Traditionseinrichtung bedeuten. "Wir schaffen das nicht", hieß es in einer Aussendung der Sängerknaben am Mittwoch.

Betrieb kostet 2,8 Millionen Euro

In der Mitteilung wurde auf den Werbewert der Sängerknaben verwiesen, "den man nicht beziffern kann". Und man verstehe sich als Bildungseinrichtung. Um den Betrieb aufrecht zu halten, benötige man mindestens 2,8 Millionen Euro pro Jahr. "Dieses Geld muss von uns verdient werden. Etwa 65 Prozent des laufenden Budgets können wir erwirtschaften", hieß es.

Bis 2001 hätten die Wiener Sängerknaben ganz ohne öffentliche Förderungen überlebt. Mit Ausnahme der Übernahme der Kosten für Lehrer im Bereich der Privatschulen mit Öffentlichkeitsrecht und von Förderungen für einzelne Projekte wie neue Kinderopern, erhalte man noch immer keine Zuschüsse oder Subventionen.

Lösung mit Politik wird angestrebt

Im Gegenzug für die Investitionen der Wiener Sängerknaben in die Gebäude sei eine Mietfreistellung bis 2008 vereinbart worden. Für die folgenden fünf Jahre wurden weitere Investitionen und Wertschaffungen gegenverrechnet, hieß es. Mit April 2013 wären erstmals Mieten in Höhe von rund 17.000 Euro pro Monat fällig gewesen.

Den Betrag aufzubringen, sei aber "unmöglich". Man zeigte sich jedoch zuversichtlich: "Wir glauben nicht, dass das passiert, denn wir arbeiten im Moment gemeinsam mit der Politik an Lösungen. Um die laufenden Gespräche nicht zu stören, können wir in dieser Sache derzeit keine weiteren Stellungnahmen abgeben." (APA, 17.7.2013)

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    Der Rechnungshof will, dass die Sängerknaben für die Unterbringung im Palais Augarten künftig bezahlen.

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