Italiens Skandale: Armselige Figur

Kommentar16. Juli 2013, 18:48
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Fehler werden in Italien nur selten bestraft, Rücktritte auf Ministerebene sind inexistent, Skandale werden ausgesessen

Italiens Regierung hätte alle Hände voll zu tun. Die Staatsverschuldung liegt auf Rekordhöhe bei 2074 Milliarden Euro, über die umstrittene Immobiliensteuer ist noch immer keine Einigung in Sicht, die drohende Erhöhung der Mehrwertsteuer keineswegs gebannt. Doch die Ministerriege kommt kaum dazu, Sachpolitik zu betreiben.

Nun haben zwei neue Affären Italien wieder in den internationalen Fokus gerückt: ein Senator, der eine Ministerin mit einem Orang-Utan vergleicht und dann so tut, als ob nichts gewesen wäre; die Frau eines Dissidenten und ihre Tochter, die auf Hinweis des Botschafters in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Kasachstan abgeschoben werden – mit Unterstützung der italienischen Polizei.

"Wie schaffen wir es nur, uns international immer ins schlechte Licht zu rücken?", fragt sich der Corriere della Sera und ruft blamable Fälle in Erinnerung, von der Entführung des Imam Abu Omar aus Mailand über das Costa-Concordia-Unglück bis hin zu den in Indien verhafteten Soldaten. "Italien macht keine 'bella figura'", gesteht Außenministerin Emma Bonino. Dafür gibt es durchaus Gründe.

Fehler werden in Italien nur selten bestraft, Rücktritte auf Ministerebene sind inexistent, Skandale werden ausgesessen. Kein anderer Parlamentarier hätte nach einer rassistischen Beleidigung einer Ministerin einfach im Amt bleiben können. Roberto Calderoli kann es – trotz seines Sündenregisters. Fehlerbewältigung all'italiana, eben. (DER STANDARD, 17.7.2013)

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