"Schoiße!" - "König Ubu" am Heuboden

12. Juli 2013, 17:52
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Alfred Jarrys Stück im Theatersaal des Warschenhoferguts nahe Linz

An der Tatsache, dass Alfred Jarry (1873-1907) eine erste Fassung bereits im Alter von 15 Jahren als Gymnasiast und in Anspielung an einen verhassten Physikprofessor geschrieben hat, lässt diese Inszenierung keinen Zweifel: König Ubu spielt inmitten einer an ein Klassenzimmer erinnernden Umgebung den Bösen, stopft sich den Bauch aus, baut mit den Kollegen aus Tischen und Sesseln Kulissen, steckt sich Staubwedel in den Hosenschlitz, schwingt die WC-Saugglocke und brüllt "Schoiße!" (so wird das schon von Jarry als "merdre" verballhornte "merde" (Scheiße) in deutschen Ausgaben übersetzt).

Rudi Müllehner macht aus Ubu einen Clown, dessen Mimik sich etwas schnell in einer redundanten und begrenzt lustigen Tölpelei erschöpft - er bringt weniger die Banalität des Bösen als das böse Banale an König Ubu zum Ausdruck. Julia Frisch hingegen glänzt als dreckige, dekadente, gierige Mutter Ubu, ihre "Muhahas!" dröhnen überzeugend lustvoll in den Theatersaal - den Scheunenboden des Warschenhoferguts in Gallneukirchen nahe Linz.

Vater Ubu ist feig, verfressen, grausam - "ubuesque", wie es sich sogar als Adjektiv im Französischen von Jarry ableitet. Seine Frau stachelt ihn an, den regierenden König zu ermorden, um sich selbst zu inthronisieren. Ubu geht schließlich noch viel weiter, "enthirnt" Adelige, ermordet Richter und Beamte, quält Bürger mit unbezahlbaren Steuern, bis diese sich auflehnen.

Jarrys erfindungsreicher Wortwitz und böser Sarkasmus, mit dem er die im Grunde immer gleiche Struktur von Tyrannei und Diktatur offenlegt, lächerlich macht und damit entmachtet, tritt in dieser Inszenierung (Cornelia Metschitzer) etwas zurück zugunsten einer entkräftenden Aussage à la: "Der will ja bloß spielen." In Paris wurde das Stück - überarbeitet schließlich 1896 uraufgeführt - übrigens zum Skandal, der wird in Gallneukirchen wohl ausbleiben. (wkh, DER STANDARD, 13./14.7.2013)

Warschenhofergut, Gallneukirchen/OÖ, www.tribuene-linz.at.

Bis 27. 7.

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