Europaweite archäologische Datenbank im Aufbau

12. Juli 2013, 15:01
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Eine Herausforderung: ARIADNE hat eine Unmenge an Daten zu homogenisieren

Wien - Grabungsdaten, 3D-Dokumentation von Artefakten oder Prospektionsdaten: Die Menge an - vor allem digitalen - Daten steigt auch in der Archäologie beträchtlich. Doch noch sind diese Daten meist nur schwer oder gar nicht zugänglich, zentrale Datenbanken und Datennetzwerke sind in Österreich erst im Entstehen. Damit in Zukunft Forscher aus ganz Europa ihre Daten austauschen und vergleichen können, hat ein Konsortium archäologischer Institute und Technologie-Zentren das Projekt "Advanced Research Infrastructure for Archaeological Dataset Networking in Europe" (ARIADNE) ins Leben gerufen.

Erster Schritt: Begrifflichkeiten klären

"Es soll ein digitales Forschungsservice für Archäologen entstehen", schildert Edeltraud Aspöck vom Institut für Orientalische und Europäische Archäologie, die das Projekt für den ARIADNE-Partner Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) betreut. Dazu werden in einem ersten Schritt die bereits vorhandenen archäologischen Daten standardisiert und homogenisiert. Problematisch ist das vor allem aufgrund der europaweiten Ausdehnung des Projekts.

"Derzeit sind wir gerade dabei, Begriffe und Methoden zu vergleichen und in Bezug zueinander zu setzen", erklärt Aspöck. Denn nicht nur die Methoden und Bezeichnungen unterscheiden sich von Land zu Land, auch schon an unterschiedlichen Grundannahmen kann die Homogenisierung scheitern. "Sieht man sich nur die Jahreszahlen an, ist etwa die Bronzezeit in Österreich anders definiert als in Spanien."

Diese Datenintegration ist notwendig, um Forschern in der Meta-Suchmaschine gezielte Abfragen zu ermöglichen. So sollen in Zukunft beispielsweise sämtliche Gräberfunde der Römerzeit in Süditalien auf einen Klick zugänglich sein. "Dann müssen nicht alle Forscher immer wieder dieselbe Arbeit machen, sondern können sich auf eine Datenbasis verlassen, die ständig ergänzt wird", sagt Aspöck. Dazu sollen einerseits bereits bestehende Datenzentren verknüpft, aber auch neue geschaffen werden. 

Die Finanzierung

Finanziert wird ARIADNE aus Geldern der Europäischen Union, neben der ÖAW ist auch die Forschungsgesellschaft Salzburg Research Partner. Im Laufe des Projektes werde man sich auch nach anderen assoziierten Partnern umsehen, so Aspöck. Interesse habe etwa das Bundesdenkmalamt gezeigt.

"Eine Idee dahinter ist, dass Ergebnisse von öffentlich finanzierter Forschung auch öffentlich zugänglich sein sollen", erklärt die Projektleiterin. Zudem sollen die Daten an einem geeigneten Ort zentral archiviert werden, zum Beispiel in nationalen archäologischen Datenzentren - denn sonst könnten Forschungsdaten eventuell auch verloren gehen. ARIADNE könne dabei auch eine Lösung für den Umgang mit den großen Datenmengen, die derzeit vor allem durch Methoden der digitalen Archäologie anfallen, darstellen. "Vor allem die Entwicklungen der letzten 15 bis 20 Jahre haben systematisches Datenmanagement notwendig gemacht", ergänzt die Projektleiterin.

Über Europa hinaus

ARIADNE widmet sich bei der Datensammlung europäischen Bodenfunden, eine Vernetzung mit US-amerikanischen, kanadischen und australischen Datennetzwerken ist aber ebenfalls Teil des Projektes. In Zukunft könnte das Netzwerk auch eine Projektdatenbank zur Verfügung stellen - so könne man auf einen Blick abrufen, wo derzeit archäologische Forschungen stattfinden. "So können leichter Synergien geschaffen und Doppelgleisigkeiten verhindert werden", meint Aspöck.

Aber nicht nur der Austausch soll im Vordergrund des im Rahmen des 7. EU-Rahmenforschungsprogramms finanzierten Projekts stehen. Als "digitales Forschungsservice" möchte man auch digitale Hilfestellung für Archäologen leisten. So wird es etwa möglich sein, sich über den korrekten Aufbau einer Datenbank zu informieren oder Hilfe bei der Migration und Umwandlung veralteter Daten zu bekommen. "Es gibt archäologische und technische ARIADNE-Partner, die Hilfestellung geben können", so Aspöck. Noch befinde man sich aber in der Anfangsphase; die Laufzeit des Projektes ist derzeit bis ins Jahr 2017 geplant. (APA, derStandard.at, 13. 7. 2013)

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