Wollüstige Styriarte-Seifenoper

11. Juli 2013, 17:21
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Simonischek, Casanova, Mozart und die Zefiro-Bläser

Graz - Ewige, je nach Angebeteter nur leicht variierte Treueschwüre, reihenweise sich seufzend hingebende Frauen und Mädchen und Liebesspiele, die mehr als plastisch zu Papier gebracht wurden: Peter Simonischek las am Mittwochabend aus den Memoiren des Giacomo Casanova.

Er las bloßfüßig, mit Augenzwinkern und Hingabe, als säße er im Boudoir einer venezianischen Dame und nicht in der voll besetzten, hoch technisierten Helmut-List-Halle. Zwischen den Schicksalen der Nonne Tonina, ihrer Schwester Barbarina, der - selbstredend nur durch fleischliche Liebe zu heilenden - "Blassen" und der Niederländerin Esther kommentierten die Bläser des Ensembles Zefiro das Geschehen.

Auf alten Instrumenten ließen die Experten für Musik aus dem 18. Jahrhundert das musikalische Spiegelbild Casanovas, Mozarts Don Giovanni, mit viel Humor zu Wort kommen. Oboe, Bassetthorn, Fagott, Horn und Klarinette übernahmen mitunter den Part der menschlichen Stimme, trällerten, kicherten, schluchzten ein wenig.

Das Format der Soap entdeckte das Musikfestival Styriarte schon im Vorjahr. Bekannte Künstler bringen dem Publikum das Leben von anderen bekannten Künstlern näher. Auch optisch, denn mit einer Kamera wird auf die Gesichter der Musiker und Darsteller gezoomt, sodass man quasi TV und Bühne in einem hat. Und es gibt einen "Warm-Upper": Regisseur und Autor Thomas Höft erzählt am Beginn schlüpfrige Witze - immerhin heißt das Festspielmotto "Gefährliche Liebschaften" - und sorgt dafür, dass die Leute wissen, wann sie klatschen müssen.

Musikalische Lesung

Freilich kann man einen solchen Abend auch einfach als musikalische Lesung bezeichnen. Es täte der Qualität keinen Abbruch. Simonischek, die Männer von Zefiro sowie die Sängerinnen Elisabeth Breuer, Martha Hirschmann und Bariton Luca Pisaroni waren so gut aufeinander eingespielt, dass alles leicht und wie zufällig ineinanderfloss.

Jede Soap braucht ihre Titelmelodie. An diesem Abend war das Mozarts Là ci darem la mano (Reich mir die Hand mein Leben), für das Carmen Leoni in den Hammerflügel griff, bevor das Ensemble Zefiro und Mauro Squillante auf der Mandoline noch Beethovens Variationen zum Duett spielten. Die nächste Soap wird sich am 14. Juli mit Schuberts Schöner Müllerin auseinandersetzen. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 12.7.2013)

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