Die Festspiele, ein europäisches Konzept

12. August 2003, 14:08
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Wortreiche Eröffnung der Salzburger Festspiele in der Felsenreitschule

Salzburg - Gestern wurden die 83. Salzburger Festspiele in der Felsenreitschule von Bundespräsident Thomas Klestil eröffnet. Die Vorfälle am Balkan der 90er-Jahre, so Klestil, hätten ein politisches Umdenken Europas eingeleitet: Was im Südosten Europas seither gelungen ist, stelle "einen überzeugenden Sieg der modernen Friedenskräfte über die blutigen Reaktionäre von gestern dar - trotz mancher Rückschläge und vieler noch offener Probleme".

In aller Welt sollte über ein "Prinzip Übereinstimmung bestehen: dass Krieg kein Mittel der Politik sein darf, es sei denn als bewaffnete Maßnahme der Vereinten Nationen". Um ein "Bewusstsein zu stärken, bedarf es weiterhin des Einsatzes der Intellektuellen, Künstler, Kulturverantwortlichen und Mediengestalter. Wodurch, wenn nicht zum Beispiel via Literatur und Bühne, Film und Fernsehen besteht die Möglichkeit zur Aufklärung der Menschen - sowie zur Ächtung von Ungerechtigkeit und Gewalt? Wodurch, wenn nicht durch die Kunst, können die großen Ideale einer friedfertigen Welt am besten verbreitet werden", fragte Klestil.

Salzburgs Landeshauptmann Franz Schausberger meinte in seiner Rede, die Salzburger Festspiele seien seit jeher einem europäischen, Grenzen überschreitenden Konzept gefolgt; gerade auch in politisch schwierigen Zeiten, etwa als Stefan Zweig auf dem Kapuzinerberg über den Dächern von Salzburg für ein "Europa des Geistes" plädierte, so der Landeshauptmann. Dieser Entwurf besäße nach wie vor ungebrochene Gültigkeit.

Schließlich brachte er seine Freude zum Ausdruck, dass bezüglich des Umbaus des kleinen Festspielhauses nun die wesentlichen Hürden genommen seien und damit ein wichtiger Baustein des Mozart-Jahres in Angriff genommen werden könne.

In seiner Festrede betonte der ehemalige rumänische Kultur- und Außenminister Andrei Ple¸su, dass "wir die europäische Einheit wieder herstellen müssen, die der Zweite Weltkrieg zum Einsturz brachte. Wir müssen ein Haus errichten, in dem wir zusammenleben können." (tos/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.7.2003)

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