Pauschaltouristen sollen mehr Rechte bekommen

9. Juli 2013, 16:49
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Immer mehr Reisen werden online gebucht. Bei Stornierung oder Mängeln kommen die Urlauber oft schwer an ihr Recht - EU-Kommission will dies ändern

Brüssel - Urlauber sollen nach einem Vorschlag der EU-Kommission mehr Rechte bei Pauschalreisen bekommen. Dies soll für Buchungen im Reisebüro, aber auch per Internet gelten. So sollen Verbraucher gegen eine "angemessene" Storno-Zahlung vor Reisebeginn vom Vertrag zurücktreten können. Kostenlos soll ein Rückzieher erlaubt sein bei Naturkatastrophen oder Unruhen im Reiseland, die den Urlaub beeinträchtigen könnten. Das hat die EU-Behörde am Dienstag in Brüssel vorgeschlagen. Zudem sollen Urlauber besseren Schadenersatz erhalten und von einheitlichen Haftungsregeln profitieren.

Damit die Pläne Gesetzeskraft erhalten, müssen EU-Parlament und Mitgliedsstaaten zustimmen. Die neuen Regeln könnten frühestens in ein bis zwei Jahren gelten, sagte EU-Kommissarin Viviane Reding.

Branche warnt vor Preissteigerungen

Die Branche sieht die Vorschläge kritisch und warnt vor steigenden Preisen - etwa weil Reiseveranstalter auch in Fällen höherer Gewalt die Kunden entschädigen sollen. "Das wird zu Mehrkosten bei den Reiseveranstaltern führen und damit die Preise für Pauschalreisen verteuern", warnte der Präsident des Deutschen ReiseVerbandes (DRV), Jürgen Büchy, laut Mitteilung. Kunden in Deutschland seien bereits heute bei der Buchung von Pauschalreisen "hervorragend abgesichert".

Laut EU-Plänen sollen Verbraucher besseren Schadenersatz erhalten. So sollen sie nicht nur bei Mängeln einen Preisnachlass verlangen können, sondern auch bei immateriellen Schäden wie etwa entgangener Urlaubsfreude. Bei Beschwerden sollen Urlauber einen klaren Ansprechpartner haben, nämlich das Reisebüro oder den Reisevermittler. Auf diese Weise will die EU-Kommission vermeiden, dass Reiseveranstalter und Vertreter vor Ort sich gegenseitig die Schuld zuschieben.

120 Millionen Verbraucher benachteiligt

Die neuen Regeln sollen vor allem den Verbrauchern zugutekommen, die sich ihre Reisen im Internet von verschiedenen Anbietern zusammenstellen. Beispielsweise wenn die Seite einer Fluggesellschaft mit einem Hotel verlinkt ist. Etwa jeder vierte EU-Bürger kauft nach EU-Angaben solche Pauschalreisen im Internet, bei der mehrere Anbieter beteiligt sind. Die derzeit gültigen EU-Regeln von 1990 benachteiligten diese 120 Millionen Verbraucher. "Wir müssen die rechtliche Unsicherheit beseitigen", sagte EU-Kommissarin Reding.

Auch für die Branche soll es Verbesserungen geben. So sollen Anbieter etwa von der Pflicht zum Nachdruck von Katalogen befreit werden, dies spart nach EU-Angaben 390 Mio. Euro pro Jahr ein. (APA, 9.7.2013)

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    Die EU will die Rechte der Pauschalurlauber stärken.

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