Steuervermeidung: Drohende Schikane

Kommentar5. Juli 2013, 18:54
33 Postings

Wegen fehlender globaler Steuervereinbarungen bleibt den Finanzbehörden nur, sich einzelne Fälle herauszupicken

In vielen Ländern wächst die Sorge, dass der internationale Kampf gegen Strategien zur Steuervermeidung zulasten der Rechtssicherheit der Unternehmen gehen könnte. Das wirkt vordergründig abstrus, sind doch die fein ausgeklügelten Taktiken zur Gewinnverlagerung in Steueroasen spätestens seit der Arbeit diverser parlamentarischer Ausschüsse von Washington bis London Legende. Starbucks, Google, Apple oder Amazon beschäftigen Heerscharen von Fachleuten, um die günstigste, gerade noch legale Konstruktion auszuklügeln. "Das nennt man Kapitalismus", argumentierte Google-Größe Eric Schmidt das Vorgehen nüchtern.

Problematisch könnte das Ganze dennoch werden. Es steht zu befürchten, dass Staaten lieber mit dem Finger auf Umgehungsmöglichkeiten im Ausland zeigen, als vor der eigenen Tür zu kehren. Bereits die seit Jahrzehnten laufenden Bemühungen zur Vereinheitlichung der Steuerbasis in der EU zeigen, dass zwischen Absichten und konkreten Maßnahmen Welten liegen. Wenn es um das Anlocken der nun an den Pranger gestellten Multis geht, werden erst recht wieder die altbekannten Begünstigungen gewährt.

Wegen fehlender globaler Steuervereinbarungen bleibt den Finanzbehörden nur, sich einzelne Fälle herauszupicken und so lange zu prüfen, bis irgendetwas gefunden wird. Mit der Folge, dass sich auch artige Betriebe nicht darauf verlassen können, nicht schikaniert zu werden. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 6.7.2013)

Share if you care.